„Wir sprechen viel über unseren Glauben an Gott“

Fünf Fragen
Die meisten Menschen, die zu SEKODI Bandung kommen, sind religiös, und sie interessieren sich für die Lage religiöser Minderheiten, sagt Fanny Syariful Alam. Er organisiert Kurse zu den Themen Religion und Glauben, Geschlecht und Sexualität sowie Politik und Demokratie für junge Menschen in Bandung, der Hauptstadt West-Javas.

Fanny Syariful Alam ist Aktivist der von ihm mitbegründeten Jugendorganisation Bandung School of Peace Indonesia, die sich für Religionsfreiheit und Frieden einsetzt.

Wie sieht Ihr Engagement für Toleranz und Frieden konkret aus?
Ich plane und organisiere kostenlose Kurse zu den Themen Religion und Glauben, Geschlecht und Sexualität sowie Politik und Demokratie für junge Menschen in Bandung, der Hauptstadt West-Javas. So möchte ich mehr Toleranz und Akzeptanz für Diversität schaffen und menschenrechtliches Engagement fördern. Samstag für Samstag kommen zu diesen Workshops immer zwischen zehn und fünfzehn Interessierte. Wir sprechen viel darüber, wie und ob wir überhaupt an Gott glauben, über religiöse Minderheiten und darüber, dass wir alle als Menschen gleich viel wert sind. 

Besteht in Indonesien Religionsfreiheit?
Das erste Prinzip unseres Staates ist der „Glaube an einen einzigen Gott“. Dass ein Mensch gar nicht an Gott glaubt, ist nicht vorgesehen. In unseren Ausweisen ist die Angabe der Religionszugehörigkeit verpflichtend. Wir müssen uns also einer der offiziell anerkannten Religionen anschließen: Islam, Protestantismus, Katholizismus, Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus – seit 2017 sind auch lokale Glaubensrichtungen anerkannt. 

Welcher Religion gehören Sie an? 
Ich fühle mich nicht gläubig, aber ich respektiere andere Menschen und ihren Glauben – und auch, wenn sie nicht glauben. Die meisten Menschen, die zu SEKODI Bandung kommen, sind religiös, und sie interessieren sich für die Lage religiöser Minderheiten. Viele werden wegen ihres Glaubens diskriminiert, vor allem wenn sie Ahmadiyya und Schiiten sind, also zu muslimischen Minderheiten gehören, aber auch Christen, Buddhisten und Anhänger lokaler oder gar nicht anerkannter Glaubensrichtungen.

Seit wann engagieren Sie sich bei SEKODI?
Ich habe mich schon als Schüler und später an der Universität verschiedenen Gruppen angeschlossen, die sich mit Menschenrechten, aber auch mit Literatur, Filmen oder eben interreligiösem Dialog beschäftigt haben. Zusammen mit anderen jungen Leuten für Frieden und Toleranz zu arbeiten, das ist sehr befriedigend, und es hat mich geprägt. Seit 2018 biete ich in Bandung kostenfreie Kurse und Diskussionsforen an, die ich teilweise mit dem Geld finanziere, das ich als Korrektor englischer Audit-Berichte und als Mitarbeiter einer Consulting-Firma verdiene. Über unseren Instagram-Kanal und die Artikel, die ich für unsere Regionalzeitung schreibe, und auch über Mund-zu-Mund-Propaganda finden viele junge Leute zu uns, das ist schön. 

Unterstützt Ihre Familie Sie in Ihrem Tun?  
Ehrlich gesagt: Sie bekommen davon nicht viel mit. Ich glaube, so viel möchten sie damit auch gar nicht zu tun haben. 

Das Gespräch führte Barbara Erbe. 

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