Wie der Handelsplatz Genf vom Iran-Krieg profitiert

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Ein Tankwart tankt am 16. Mai 2026 an einer Tankstelle in Neu-Delhi, Indien, ein Motorrad auf. Im Vordergrund ist ein Motorrad zu sehen, dahinter zwei Moped-Fahrer.
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Ein Tankwart tankt am 16. Mai 2026 an einer Tankstelle in Neu-Delhi ein Motorrad auf. Angesichts der anhaltenden globalen Energiekrise und der Versorgungsengpässe in der Straße von Hormus erhöhten die Mineralölunternehmen in Indien ihre Preise deutlich.
Ölpreis
Der Irankrieg hat die Ölpreise in vielen Ländern der Welt steigen lassen. Während Millionen von Menschen dadurch in existenzielle Not geraten, profitiert die Schweiz von zusätzlichen Steuerzahlungen der hier ansässigen Ölfirmen.

Der Irankrieg und die Blockade der Straße von Hormus haben die Ölpreise weltweit in die Höhe schnellen lassen. Besonders für Länder im globalen Süden, vor allem in Süd- und Südostasien und Teilen von Afrika, hat dies gravierende Folgen. In Kambodscha etwa ist der Benzinpreis seit Ausbruch des Krieges um rund 40 Prozent gestiegen, der für Diesel hat sich mehr als verdoppelt. In der Folge hat die Regierung die Mehrwertsteuer auf Treibstoffe von zehn auf vier Prozent gesenkt. Sri Lanka lässt Treibstoff rationalisieren und hat eine Viertagewoche für Staatsangestellte und Schulen eingeführt, um Sprit zu sparen.

Im April warnte das UN-Entwicklungsprogramm, dass die Treibstoffknappheit, steigende Lebensmittelpreise und der Rückgang beim Bruttoinlandprodukt als Folgen des Krieges 32 Millionen Menschen in über 150 Ländern in Armut stürzen könnten. „Der höhere Ölpreis verteuert den Transport von Nahrungsmitteln, was die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt“, sagt der Strafrechtsprofessor und Rohstoffexperte Mark Pieth.

Nach Asien kommt ein Großteil des importierten Öls durch die Straße von Hormus. Die Länder dort müssten nun nach alternativen Quellen suchen, sagt Robert Bachmann, Rohstoffexperte bei der Organisation Public Eye. „Und sie müssen dafür in der Regel mehr bezahlen.“ Europa sei weniger betroffen, weil das Öl hier eher aus den USA, Norwegen oder Kasachstan komme.

Schweizer Firmen profitieren mit Milliardengewinnen

Die Schweiz wiederum profitiert sogar von der Krise, denn die höheren Preise spülen Milliardengewinne in die Kassen der Firmen, die mit Öl handeln. Ein Drittel des weltweiten Ölhandels läuft  über die Schweiz und hier vor allem über Genf. Die Hälfte der Steuereinnahmen des Kantons Genf stammt aus dem Rohstoffhandel. Das heißt: Die Folgen des Irankriegs bescheren dem Kanton und dem Bund zusätzliche Steuereinnahmen. Um frühzeitig zu erfahren, wie hoch diese sein werden, hat die Genfer Finanzdirektorin Nathalie Fontanet laut Radio SRF die Handelsfirmen gebeten, bereits im Juni Auskünfte über ihre Geschäfte zu geben. „Die Sorgen der Finanzministerin sind offenbar, dass man einen Verlust budgetieren könnte, und man am Ende dann einen Gewinn macht“, sagt Mark Pieth.

Zwei Faktoren beeinflussen den Ölpreis, erklärt Robert Bachmann. Zum einen das Angebot, also wie viel produziert und wie es transportiert wird, zum anderen die politische Lage, also beispielsweise das Risiko, dass wie derzeit wegen eines Krieges Transportwege blockiert sind. „Wenn Trump an einem Tag sagt, die USA würden Schiffe durch die Straße von Hormus begleiten, und es dann am nächsten Tag wieder zurücknimmt, hat das Einfluss auf den Ölpreis.“

Die Schweiz bekommt höhere Steuereinnahmen

„Die Händler bringen Produzenten und Käufer zusammen und legen den Preis fest“, sagt Bachmann. Und sie seien sehr geschickt darin, Öl von einem Anbieter zu einem günstigen Preis zu kaufen und an den Meistbietenden zu verkaufen. So hat etwa der Rohstoffhändler Gunvor im ersten Quartal 2026 bereits mehr Gewinn gemacht als im ganzen Jahr 2025.

Davon profitieren Genf und der Bund in Form höherer Steuereinnahmen. Was derzeit in anderen Ländern zusätzlich für Benzin bezahlt werden muss und Menschen in Existenznöte stürzt, landet teilweise in Staatskassen in der Schweiz.

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