Viel Hilfe für Sudan, wenig Friedensinitiativen

Zwei dunkelhäutige Männer in einem Konferenzsaal, hinten Flaggen.
picture alliance/epd-bild/Christian Ditsch
Der Krieg in Sudan trifft auch die Nachbarstaaten: Der Botschafter des Südsudan (sitzend) spricht auf der Berliner Konferenz mit dem Vertreter Djiboutis.
Internationale Konferenz in Berlin
Die Staaten haben in Berlin mehr Geld für die Opfer des Krieges im Sudan zugesagt. Erstmals waren soziale Organisationen aus dem Land vertreten, aber ein Weg zu Frieden ist nicht erkennbar.

Die internationale Sudankonferenz in Berlin hat eine dringend nötige Anschlussfinanzierung für die humanitäre Hilfe erbracht: Zum Abschluss des Treffens am 15. April verkündete Außenminister Johann Wadephul „substanzielle Zusagen“ über 1,5 Milliarden Euro, davon 230 Millionen Euro von Deutschland. 

Der brutale Krieg im Sudan zwischen der Armee (SAF) und der Miliz Rapid Support Forces (RSF) ist der tödlichste in Afrika. Seit Kriegsbeginn 2023 ist ein Drittel der 45 Millionen zählenden Bevölkerung vertrieben worden – rund 4,3 Millionen haben Zuflucht in sieben Nachbarländern gesucht, fast 9 Millionen sind in den wenigen konfliktfreien Gebieten im Sudan; auf dem Höhepunkt Mitte 2025 waren es fast 12 Millionen Binnenflüchtlinge. Etwa die Hälfte der Bevölkerung leidet akute Unter- und Mangelernährung, knapp 34 Millionen Menschen sind laut den UN auf Nothilfe angewiesen, Millionen Schulkinder sind ohne Unterricht. Kriegsverbrechen und schwerste Menschenrechtsverletzungen sind Alltag, zuletzt vor allem in der RSF-Hochburg Nord-Darfur.

Die Krise verdient viel mehr Aufmerksamkeit

„Dieser Krieg geht die Welt an“, erklärte Außenminister Johann Wadephul; die Katastrophe habe nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdiene. Man müsse den Druck verstärken und Kräfte bündeln, damit humanitäre Hilfe Leben retten könne. Alle mit Einfluss auf Kräfte, die den Kriegsparteien nahestehen, hätten die Pflicht, ihren Einfluss zu nutzen, um Friedensbemühungen zu stärken. 

Die Teilnehmer – rund 60 Delegationen von Staaten sowie 50 nichtstaatliche Gruppen waren vertreten – appellierten an die Kriegsparteien, einer humanitären Waffenruhe zuzustimmen und nicht länger einen Dialog zur Eröffnung eines Friedensprozesses zu verweigern. Sie verurteilten den Einsatz von Hunger und Vergewaltigung als Kriegswaffe und forderten einhellig ein Ende von Blockaden für überlebenswichtige Hilfe. Die Regierung in Khartum und ihr Gegner, die RSF, hatten das von Berlin, Paris, London, Washington, der EU und der Afrikanischen Union (AU) organisierte Treffen im Vorfeld verurteilt.

Die Leistung einheimischer Helfer gewürdigt

Politisch blieb es bei Appellen; das Treffen war auch nicht als Friedenskonferenz angelegt. Die Finanzzusagen, zu denen die USA laut ihrem Delegierten 500 Millionen Euro beitragen wollen, haben aber die Erwartungen übertroffen. Dennoch beseitigen sie nicht die Defizite. Der Spendenaufruf der UN für 2025 war nur zu 40 Prozent gedeckt, und für 2026 taxieren die UN den gesamten Hilfebedarf auf 2,9 Milliarden US-Dollar.

Hilfsorganisationen würdigten am Rande des Treffens die große Widerstandskraft der Bevölkerung in Sudan und die Leistung von Selbsthilfegruppen, Auffangzentren, Gemeinschaftsküchen und Friedenskomitees, die sich um Probleme in überlasteten Aufnahmegemeinden kümmern. „Hunger als Waffe ist ein Problem, Menschen werden dem Sterben überlassen“, berichtete Mary Wamuyu vom Caritas-Partner Trocaire aus der Gegend der Nuba-Berge, wo zwei Millionen Menschen, meist Frauen und Kinder, Schutz gesucht haben. Die örtlichen Strukturen zu unterstützen, gilt als der unmittelbar dringlichste Weg für Hilfe.

Lösungen erfordern die Beteiligung der Gesellschaft

Politisches Neuland betrat Berlin mit der Einbeziehung ziviler Akteure aus dem Sudan, die einen vom Volk getragenen Übergang anstreben. Rund 40 waren eingeladen, darunter Vertreter der verbliebenen Demokratiebewegung und von Parteien. Diese Öffnung haben Venro, die Dachorganisation deutscher NGOS, und Konfliktexperten begrüßt; bisherige Vermittlungs- und Dialogmodelle seien gescheitert. So betonte Aisha Hamad von der sudanesischen Democratic Civil Society Platform (DCSP) während einer Debatte der Böll-Stiftung, Lösungsversuche für die Konflikte im Sudan seien nie von Dauer gewesen, weil die Zivilgesellschaft nicht mit am Tisch gesessen habe. Es brauche einen inklusiven Konsultationsprozess mit dem Ziel einer dringenden Deeskalation und eines Fahrplans hin zu Friedensgesprächen, forderten Hamad und weitere nichtstaatliche Vertreter. 

Verbände der sudanesischen Gesellschaft haben vor der Konferenz in einem offenen Brief gemeinsam appelliert, die organisierte Zivilgesellschaft nicht länger außer Acht zu lassen. Unterzeichnet hat auch die Sumud-Allianz von Abdalla Hamdok, der nach dem Sturz der Diktatur 2019 zeitweise Premierminister war und fordert, verschiedene Vermittlerstränge zusammenzuführen. Bisher bemüht sich das sogenannte Quad aus den USA, Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) vorrangig um einen Waffenstillstand. Den politischen Prozess und den Kontakt zur Zivilgesellschaft hat das Quintett aus UN, AU, der Regionalorganisation IGAD, der Arabischen Liga und der EU im Blick. 

Deutsche NGOs befürchten ein Strohfeuer

Wadephul würdigte den Austausch mit der Plattform ziviler Organisationen als wichtigen Schritt. Weitere politische Impulse blieben jedoch aus. So warnt Venro vor einem „Strohfeuer“. Das Deutsche Sudan-Netzwerk von mehr als 30 Organisationen und Stiftungen verlangt mehr Druck auf die Kriegsparteien. Die Welthungerhilfe fordert eine strukturierte Nachverfolgung – darunter, die wirtschaftlichen und politischen Interessen anzugehen, die den Konflikt schürten.

Anwesende arabische Länder hätten konstruktiv teilgenommen und sich zu Waffenstillstand und Verständigung bekannt, beteuerte Wadephul vor der Presse. Verantwortung bedeute auch, keine Waffen mehr zu liefern und auf ein Verhandlungsergebnis hinzuwirken. Von den Teilnehmerländern wird Saudi-Arabien zu den Unterstützern der Militärregierung gezählt, die VAE gilt als wichtigster Unterstützer der RSF. Saudi-Arabien hat in Berlin 145 Millionen US-Dollar Hilfe zugesagt, die VAE sich für eine humanitäre Feuerpause ausgesprochen, Katar für einen inklusiven Friedensprozess. 

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Kenner des Konflikts mahnen, der Einfluss des Westens auf die lukrative Kriegsökonomie sei begrenzt – mehr Erfolg verspreche Druck auf die Kriegsparteien von Golfstaaten und Ägypten. Zudem fehlten Ideen, wie man Druck auf Länder mit direkten oder indirekten Interessen ausüben könne wie Russland, China oder Nachbarländer des Sudan. Es gebe weiter Abnehmer für Bodenschätze, Erdöl und Gold aus dem Sudan und Lieferanten von Waffen, sagt der Sudan-Analyst John Ashworth. „Die Kontrolle darüber abzugeben sind die Kriegsparteien nicht gewillt. Sie führen ihren existenziellen Kampf um Ressourcen weiter, weil sie glauben, ihn gewinnen zu können.“

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