Krieg und Frieden

Marén Gröschel für welt-sichten

Kriege und Bürgerkriege sind Hauptgründe für Hungersnöte, Elend und Flucht. Streit zwischen Großmächten begünstigt sie nun wieder, so in Mali, Jemen, Myanmar und Sudan und in der ganzen Region Nahost. Was treibt Kriege an, wie überstehen Menschen sie, wo und wie konnte man sie beilegen?

Aktuell zum Thema

Armenien
In Armenien wird am 7. Juni das Parlament neu gewählt. Der Regierung wird vorgeworfen, dass sie nach der Niederlage im Krieg gegen Aserbaidschan und der Vertreibung der armenischen Minderheit dort auf Entspannung setzt.
Der vor gut drei Jahren beendete Krieg in Tigray droht wieder aufzuflammen – diesmal aber ist Eritrea mit Äthiopiens Gegnern verbündet. Solch ein Krieg würde direkt den Sudan, den Südsudan und Somalia erfassen und indirekt weitere Länder, warnt Kjetil Tronvoll von der Universität Oslo.

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Ein Tankwart tankt am 16. Mai 2026 an einer Tankstelle in Neu-Delhi, Indien, ein Motorrad auf. Im Vordergrund ist ein Motorrad zu sehen, dahinter zwei Moped-Fahrer.
Ölpreis
Der Irankrieg hat die Ölpreise in vielen Ländern der Welt steigen lassen. Während Millionen von Menschen dadurch in existenzielle Not geraten, profitiert die Schweiz von zusätzlichen Steuerzahlungen der hier ansässigen Ölfirmen.
Zwei Afrikaner sitzen an einem Tisch, darauf stehen Laptop, Mikrofone und Receiver. Dies ist eines der Studios von Radio Sol Mansi.
Radio in Guinea-Bissau
Ein italienischer Priester hat vor 25 Jahren den katholischen Radiosender Sol Mansi in Guinea-Bissau gegründet. Heute ist er der meistgehörte Sender des Landes, auch weil er sich dem sozialen Zusammenhalt und der Vielfalt verschrieben hat.
Zwei dunkelhäutige Männer in einem Konferenzsaal, hinten Flaggen.
Internationale Konferenz in Berlin
Die Staaten haben in Berlin mehr Geld für die Opfer des Krieges im Sudan zugesagt. Erstmals waren soziale Organisationen aus dem Land vertreten, aber ein Weg zu Frieden ist nicht erkennbar.

Gut zu wissen

Kriegsbeilegung
Wie kommt man zum Frieden ?
Kriege enden auf unterschiedliche Weise. Dass eine Seite entscheidend siegt, ist selten, besonders in Bürgerkriegen; die Niederlage der tamilischen Rebellen in Sri Lanka 2009 war so ein Fall. Viel öfter werden Kriege in Verhandlungen beigelegt.

Ob das gelingt, hängt von der Art des Krieges ab. Kämpfe zwischen den regulären Armeen zweier Staaten wie jetzt in der Ukraine sind heute die Ausnahme. In Afrika, dem Nahen Osten und Teilen Asiens wie Afghanistan, Kaschmir und Myanmar hat man es meist mit internationalisierten Bürgerkriegen zu tun: mit Rebellionen gegen die Regierung oder Kämpfen um die Macht im Staat, in denen mehrere Seiten von außen unterstützt werden. 

Für Friedensverhandlungen müssen einige Bedingungen günstig sein. So darf keine Kriegspartei mehr hoffen, ihre Ziele militärisch erreichen zu können. Ein unparteiischer, aber von einflussreichen Ländern unterstützter Vermittler ist wichtig. Und die Verhandler müssen die Autorität haben, Kompromisse in der eigenen Truppe durchzusetzen. Das macht Bürgerkriege in schwachen Staaten schwer lösbar: Dort entstehen oft immer mehr Rebellen- und Selbstverteidigungsgruppen, einige sind schwach organisiert, manche leben vom Krieg.

In den 1990er Jahren konnten viele Bürgerkriege in Afrika, Asien und Mittelamerika beigelegt werden, etwa in Angola, Mosambik, Kambodscha und El Salvador. Dafür war entscheidend, dass die Supermächte nach dem Ende des Kalten Krieges gemeinsam Kriegsparteien unter Druck setzten, Frieden zu schließen, und die Vereinten Nationen mit Friedensmissionen die Umsetzung garantieren konnten. Diese Voraussetzungen sind nicht mehr gegeben: Die USA, Russland und China rivalisieren wieder um Einfluss im Süden und Regionalmächte wie die Türkei und Saudi-Arabien schüren vermehrt Kriege etwa in Jemen und Syrien. 

Kriege können aber noch anders enden als mit einem Sieg- oder Verhandlungsfrieden: Manchmal flauen Kämpfe mit der Zeit aus Erschöpfung ab, ohne dass ihr Ende vereinbart wird; der Übergang zwischen Krieg und Frieden kann fließend sein. Möglich ist auch, dass äußere Mächte oder die UN intervenieren und einen Frieden erzwingen. Eins der ganz wenigen erfolgreichen Beispiele dafür ist das Eingreifen Großbritanniens in Sierra Leone im Jahr 2000. Doch in den meisten Fällen ist so etwas gescheitert, zuweilen katastrophal wie in Libyen 2011.

Hintergrund

In vielen Kriegen versuchen lokale Gruppen, andere Staaten oder Gremien wie die UN, zu vermitteln und Gewalt einzudämmen. Der Erfolg hängt stark von der weltpolitischen Lage und dem Verhalten der Großmächte ab. Die machen seit zwei Jahrzehnten Friedenskräften die Arbeit sehr schwer.

Infografik

Balkendiagramm zu Kriegstoten nach dem Zweiten Weltkrieg je Region

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Tipp

Ronya Othmann beschäftigt sich in ihrem lesenswerten Buch mit der Frage, was aus Syrien werden wird und was die neue Regierung eigentlich vorhat. Sie lässt dabei Kurden, Jesiden, Alawiten, Drusen, Ismailiten, Christen, Juden und Sunniten zu Wort kommen.
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