Palmöl: Siegel ohne Wert

Hundert Prozent grün und fair: In Deutschland, der Schweiz und Österreich soll künftig nur noch nachhaltig produziertes Palmöl verbraucht werden. So will es eine Wirtschaftsinitiative. Doch die gängigen Zertifikate greifen zu kurz.

Palmöl steckt in vielen Lebensmitteln und Kosmetikartikeln. Zudem ist es der günstigste Rohstoff für Biodiesel. Doch in den vergangenen Jahren ist es in Verruf geraten – die Vorwürfe reichen von schlechten Arbeitsbedingungen über Umweltzerstörung bis hin zu Vertreibungen von Anwohnern.

Auch die Klimabilanz dreht sich ins Negative, wenn für den Anbau von Ölpalmen Regenwälder mit kohlestoffhaltigen Torfböden abgebrannt werden. Deutschland und die Europäische Union (EU) haben deshalb 2011 Richtlinien eingeführt, nach denen Palmöl zumindest als Biokraftstoff nur noch mit Nachhaltigkeitsnachweis eingeführt werden darf.

Autor

Christina Schott

arbeitet seit 2002 als freie Journalistin in Südostasien und ist Mitbegründerin des Korrespondenten-netzwerks weltreporter.net.

Vertreter von Politik und Wirtschaft gründeten zudem im September 2013 in Berlin das „Forum Nachhaltiges Palmöl“ (FONAP), mit dem Ziel, die in Deutschland anerkannten Zertifizierungssysteme zu verbessern. Dazu zählen: Roundtable on Sustain­able Palm Oil (RSPO), International Sustainability & Carbon Certification (ISCC) und Rainforest Alliance. Die Initiative wird vom Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt, ihr Sekretariat ist bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) angesiedelt.

Das Forum will möglichst schnell dafür sorgen, dass die Abnehmer in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausschließlich mit zertifiziertem Palmöl versorgt werden – gerade auch für Konsumgüter. 2012 stammte knapp ein Drittel des in Deutschland verbrauchten Palmöls aus nachhaltigem Anbau. Außerdem soll das Forum die Öffentlichkeit darüber informieren, wie Palmöl umwelt- und sozialverträglich hergestellt und zertifiziert wird.

Das ist eigentlich eine erfreuliche Initiative für Verbraucher wie Umweltschützer. Der Haken ist nur: Außer dem World Wide Fund (WWF) sind bislang nur Großunternehmen wie Beiersdorf, Edeka, Henkel, Nestlé, Rewe und Unilever Mitglieder des Forums. Sie dürften vor allem ein wirtschaftliches Interesse an einer Zertifizierung haben. Mit der Selbstverpflichtung, bis Ende 2014 nur noch zertifiziertes Palmöl zu verwenden, sichern sie sich eine bessere Verkaufsposition auf dem Markt. Denn von diesem Jahr an muss in Deutschland explizit ausgewiesen werden, welche Art von Pflanzenöl in Produkten verarbeitet wurde. Die Schweiz folgt 2016 mit einer Pflichtdeklaration für Palmöl.

erschienen in Ausgabe 4 / 2014: Indonesien: Von Islam und Demokratie

Kommentare

Ich glaube nicht, dass staatliche Regelungen wie Besteuerung oder Verbote etwas bewirken. Nachhaltige Wirkungen wurde bisher immer dann erzielt, wenn NGOs sich klug und dauerhaft um ein Thema kümmern und damit Druck auf die Produzenten ausüben, der sich bei ihren Umsätzen bemerkbar macht. Dann öffnen diese sich sehr schnell für vernünftige Argumente.

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