Für das Leben lernen

Schulkinder im globalen Süden schneiden bei Bildungstests viel schlechter ab als Mädchen und Jungen aus reichen Ländern. Woran liegt das? Und vor allem: Was ist dagegen zu tun?

Manche Experten fordern, die Schulen besser auszustatten: Es werden mehr Klassenzimmer gebraucht, mehr Lehrer müssen ausgebildet und eingestellt und neue Bücher angeschafft werden. Regierungen und Hilfsorganisationen erarbeiten detaillierte Pläne, wie sie dafür eine Menge Geld ausgeben können.

Laut Untersuchungen können die Lernerfolge auf diese Weise jedoch nicht so weit verbessert werden, dass die Bildungsziele erreicht werden. Allein durch bessere schulische Rahmenbedingungen wird die Bildungskrise nicht überwunden. Eine Konzentration darauf kann sich sogar nachteilig auswirken: Dann werden zu viele Energien und Mittel für Programme aufgewendet, mit denen man dem Ziel nicht näher kommt.

Maßnahmen nachzuahmen, die in den reichen Ländern erfolgreich waren, ist zwar verlockend, aber ebenfalls zum Scheitern verurteilt. Denn die Voraussetzungen in armen Ländern unterscheiden sich stark von denen in Europa und den Vereinigten Staaten. Kein westlicher Bildungsexperte musste sich jemals mit einem solch schnellen Wandel befassen, den die Entwicklungsländer brauchen, um ihre Bildungskrise wirkungvoll anzugehen und zu überwinden.

Die pädagogischen Debatten, die im Westen geführt werden, gehen am Bedarf der armen Länder völlig vorbei – denn dort müssen funktionsfähige Systeme erst noch aufgebaut werden, während es in den reichen Ländern darum geht, die vorhandenen Systeme zu erweitern und zu verbessern.

Ebenfalls ungeeignet ist der Versuch, zentralisierte Bildungssysteme einzuführen oder die bestehende Zentralisierung zu verstärken. In vielen Ländern stehen die Schulen bereits unter der Aufsicht von nationalen oder regionalen Behörden, die von oben herab über den Bau von Schulen, die Lehrerverteilung, die Fächer und die Lehrpläne entscheiden.

Die Verantwortlichen an der Basis brauchen genügend Autonomie

Zwar lassen sich mit einer gut funktionierenden zentralisierten Struktur logistische Probleme lösen und die Einschulungsquoten schnell und effektiv erhöhen. Doch stützen sich solche Systeme zu wenig auf die Fachkompetenz der Lehrer vor Ort, und sie sind nicht offen genug für die Belange der Eltern.

Eltern und Kommunen können die abgehobenen Bürokratien zu wenig in die Pflicht nehmen, um den Lernerfolg der Kinder zu sichern. Deshalb können zentralisierte Systeme zwar bewirken, dass mehr Kinder länger zur Schule gehen, aber sie können nicht dafür sorgen, dass der Schulbesuch zu besseren Ergebnissen führt.

Ein allgemeingültiges Erfolgsrezept gibt es nicht. Wenn sie den Anschluss an ein weltweit akzeptiertes Bildungsniveau erreichen wollen, müssen die einzelnen Länder selbst herausfinden, welche Wege für sie am besten sind. Internationale Organisationen können Anreize dafür schaffen, dass über die Lernfortschritte Bilanz geführt wird. Die US-amerikanische Entwicklungsorganisation USAID und das britische Entwicklungsministerium DfiD sowie die Weltbank stellen das bei ihren Projekten bereits in den Vordergrund. Daran sollten sich alle Geber- und Partnerregierungen orientieren.

Ferner können Geber und Hilfsorganisationen zu einem Umfeld beitragen, in dem passende Lösungen erarbeitet werden können. Die bisherigen Erkenntnisse legen nahe, dass zielführende Neuerungen sich am ehesten in Bildungssystemen mit den folgenden Merkmalen durchsetzen: Sie müssen für unterschiedliche Schultypen offen sein, und die Verantwortlichen an der Basis brauchen genügend Autonomie, um neue Strategien erproben und eigene Entscheidungen treffen können.

erschienen in Ausgabe 4 / 2014: Indonesien: Von Islam und Demokratie

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