Die Erderwärmung lässt den Meeresspiegel ansteigen. Dadurch werden die Strände der Karibik – wie hier auf Kuba – mehr überflutet und stärker abgetragen.

Der Strand geht unter

Der Tourismus bringt den karibischen Inseln einen Großteil ihrer Einnahmen. Nun sind ihre Attraktionen vom Klimawandel bedroht. Das zwingt zum Umdenken.

Postkarten zeigen die ganze Schönheit der Karibikinseln: weiße Sandstrände, türkisfarbenes Wasser und Kokospalmen, die sich im Wind wiegen. Das perfekte Urlaubsziel für Millionen Besucher aus aller Welt. Doch seit einigen Jahren kämpft die Tourismusindustrie, die als Rückgrat der karibischen Wirtschaft gilt, um Nachhaltigkeit in Zeiten des Klimawandels. Der Meeresspiegel steigt und trägt die Strände ab – das schwächt die Anziehungskraft der Karibik für Urlauber.

Eine weitere Attraktion ist die Unterwasserwelt mit ihren Korallenriffen. Doch Wissenschaftler sehen auch sie bedroht – etwa durch Abfälle, die im Meer entsorgt werden, und durch die Erwärmung der Wasseroberfläche. „Der Fremdenverkehr leidet schon jetzt unter dem Klimawandel“, klagt der frühere Premierminister von Antigua und Barbuda, Baldwin Spencer.

Autor

Desmond L. Brown

ist freier Journalist und lebt in St. John’s auf Antigua. Er beschäftigt sich vor allem mit dem Klimawandel und Umweltthemen in der Karibik.
Nach zwei Tropenstürmen und einem Hurrikan musste Dominica 1995 feststellen, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Korallenbänke zerstört waren. „Die Einnahmen in der Tauchindustrie und dem Ökotourismus brachen um ein Drittel ein“, fügt Spencer hinzu. Ein Verlust von 36 Millionen US-Dollar für die Insel, die zu den Kleinen Antillen in der östlichen Karibik zählt.

„Bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen halben Meter würden laut Studien bis zu 60 Prozent der Strände Grenadas verschwinden, darunter auch der von Grand Anse, ein wichtiger Touristenmagnet“, erklärt Spencer. In Barbados, einem der Länder mit der höchsten Bevölkerungsdichte, einem kleinen Eiland mit 270.000 Bewohnern, beschreibt Tourismusminister Richard Sealy den Klimawandel als „sehr reales Problem“. „Unser Tourismus hängt zum größten Teil vom Ökosystem des Meeres ab, das besonders unter den Folgen der Erderwärmung leidet“, sagt er.

Die Tourismusindustrie sei jedoch nach wie vor ein wichtiger Partner, um nachhaltige Entwicklung und verantwortliche Vorgehensweisen zu fördern, betont der Minister. Seit einigen Jahren setzt Barbados laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) verstärkt auf erneuerbare Energiequellen, vor allem auf die Warmwasserbereitung mit Hilfe der Sonne. Mit einem Aktionsprogramm wollen Regierung und Tourismusindustrie ferner die Energieeffizienz im Hotelgewerbe steigern.

Der Klimawandel beeinträchtigt jedoch nicht nur den Tourismus in der Karibik. Er hat auch Folgen für den Lebensunterhalt der Menschen – selbst jener, die nur indirekt ihr Geld mit den Urlaubern verdienen. Die Fischgründe bei den karibischen Korallenbänken bringen jährlich einen Gewinn von rund 310 Millionen US-Dollar. Setzt sich die Zerstörung der wenigen verbliebenen Korallenriffe in der Region fort, könnte sich dieser Betrag im schlimmsten Fall nahezu halbieren.

Die Fischbestände sind deutlich zurückgegangen

Auch der damit verbundene Niedergang des Tauchtourismus hätte empfindliche Folgen für die jährlichen Einnahmen aus dem Fremdenverkehr. Gary Mendoza aus Belize hat sein Leben lang als Fischer gearbeitet. Der 61-Jährige hat in den vergangenen zehn Jahren beobachtet, dass die Fischbestände deutlich zurückgegangen sind. Er ist überzeugt davon, dass es am Klimawandel liegt. Das Wetter habe sich so verändert, dass Fischer vieles nicht mehr tun können, was früher normal war. „Als junger Fischer konnte ich fast jede Woche vorhersagen, welche Fische wir wo und wie fangen würden“, erzählt er. „Heute ist das nicht mehr so. Jeden Tag ist das Wetter anders.“

Manuel Heredia Jr., Belizes Minister für Tourismus, zivile Luftfahrt und Kultur, stimmt Mendoza zu. Das mittelamerikanische Land habe im vergangenen Jahr eine der schlimmsten Regenzeiten durchgemacht, berichtet er. Mindestens acht Monate lang habe es täglich geregnet. „Die Verluste und Schäden waren enorm, größer als durch die Hurrikans, die wir hier oft haben.“ Hinzu komme eine ungewöhnlich starke Hitze. „Die Sonne brennt so stark, dass sich Fischer, die früher ohne Sonnenschutz aufs Meer hinausfuhren, heute schützen müssen“, fügt Heredia hinzu.

erschienen in Ausgabe 8 / 2014: Gesichter der Karibik

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