Simbabwes Autokraten

Machtbewusst: Robert Mugabe und seine Frau Grace grüßen ihre Gäste auf der Feier zum 90. Geburtstag des Staats­präsidenten
im Februar.

Simbabwes Autokraten

Mugabe will die Macht vererben

In Simbabwe streiten zwei Flügel der Regierungspartei, wer dem greisen Staatspräsidenten nachfolgen soll. Der aber bringt seine Frau für das Amt in Stellung. Denn von der Macht zu lassen, wäre für seine Familie gefährlich.

Es war der erste laue Frühlingstag, sogar etwas Regen lag in der Luft. Unter den 3000 Delegierten, die sich Mitte August zum Kongress der Frauenliga der regierenden Zanu/PF-Partei in der simbabwischen Hauptstadt Harare trafen, hätte die Stimmung kaum besser sein können: Beschwingt stimmten die Parteidamen ein Befreiungslied nach dem anderen an und wiegten die Hüften dazu. Voller Zuversicht auch ihre Entscheidungen in Sachen Personalpolitik: Robert Mugabe solle auch bei der nächsten Wahl im Jahr 2018 alleiniger Kandidat der Partei für das Präsidentenamt sein, beschlossen die Frauenligisten. Zu diesem Zeitpunkt wäre der seit 34 Jahren herrschende Mugabe nicht weniger als 94 Jahre alt  – und das zu Beginn der vierjährigen Amtszeit.

Autor

Johannes Dieterich

ist Afrikakorrespondent verschiedener deutscher Tageszeitungen, darunter der „Frankfurter Rundschau“ und der „Berliner Zeitung“.
Offenbar waren sich die Delegierten dann doch nicht ganz sicher, wie realitätsnah diese Entscheidung war. In einem zweiten Beschluss wählten sie nämlich die Ehefrau des Präsidenten, die 41 Jahre jüngere Grace Mugabe, überraschend zur Generalsekretärin der Frauenliga. Das fand  weit über die Grenzen Simbabwes hinaus Beachtung. Denn mit der Entscheidung wurde die einstige Sekretärin im Präsidentenbüro praktisch aus dem Stand heraus als mögliche Nachfolgerin ihres greisen Ehemanns positioniert. Dabei verstieß der Beschluss sogar gegen die Satzung der Frauenliga, die für leitende Ämter 15 Jahre Mitgliedschaft fordert.

Der Beschluss legte Zunder an den schon jahrelang schwelenden Streit um die Erbfolge Mugabes. Die Frauenliga habe „die Katze zwischen die Parteitauben gelassen“, feixte der Fachdienst „Africa Confidential“. Bis dahin war der Wettbewerb um Mugabes Nachfolge stets mit heruntergeklappten Visieren ausgefochten worden. Zwei Lager standen sich gegenüber:  jenes der als gemäßigt geltenden Vizepräsidentin Joice Mujuru und das des hartgesottenen Parteiveteranen Emmerson Mnangagwa. Den Machtkampf nutzte der Präsident immer wieder geschickt, um seine eigene Herrschaft zu zementieren: Mugabe gab sich mal als Unterstützer jener, dann wieder der anderen Seite aus – nur um sich schließlich als Friedensstifter und einziger Garant der Parteieinheit über alle Fraktionen zu stellen. Nur er könne den fortgesetzten Machterhalt der Zanu/PF-Partei sichern, die schon seit der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 regiert, so die Botschaft.

Die Mugabes auf dem Weg zur Familiendynastie

Beobachter hatten spekuliert, welches der beiden Lager der alte Fuchs wohl tatsächlich favorisiere. Nur die erfahrenen unter ihnen ahnten bereits, dass es womöglich keines ist und der gerissene Stratege im letzten Moment wieder alle überraschen würde. Kurz vor dem entscheidenden Parteitag der Zanu/PF im Dezember zog er den Trumpf aus dem Ärmel: Der Autokrat will weder Mujuru noch Mnangagwa – er will eine Familiendynastie errichten.

Und dafür gibt es gute Gründe. Wenn die fernöstliche Medizin, der sich der Neunzigjährige immer  wieder in Singapur anvertraut, ihre Dienste versagt, dann könnte die Familie des Patriarchen in Bedrängnis geraten. Vor allem in den vergangenen 15 Jahren haben die Mugabes Reichtümer in erheblichem Umfang angesammelt. Darunter sind allein 40 Farmen, die im Rahmen der sogenannten Landreform den einstigen weißen Besitzern abgenommen worden waren. Frau Mugabes ganzer Stolz sind sechs Rinderhöfe, die jährlich eine Million Liter Milch produzieren. Ihr Abnehmer war einst der Nahrungsmittelgigant Nestlé, der sich im September 2009 auf internationalen Druck hin gezwungen sah, seine Geschäftsbeziehungen zur Familie Mugabe einzustellen.

Angreifbar ist auch der Besitz der zahlreichen Villen, die sich die Mugabes im In- und Ausland zugelegt haben. Allein das Anwesen in Harares Nobelstadtteil Borrowdale Brooke, das italienische Marmorbäder, 25 Schlafzimmer sowie einen Ballsaal aufweist, kostete mehr als 20 Millionen Euro. Sollte beim Tauziehen nach dem Tod des Patriarchen etwas schieflaufen, könnte die Familie Mugabe sogar vor dem Kadi enden. Denn dass beim Ansammeln ihres Reichtums, den der exilierte simbabwische Journalist Basildon Peta auf weit über zehn Milliarden US-Dollar schätzt, alles mit rechten Dingen zugegangen ist, ist angesichts des offiziellen Gehalts des Präsidenten von monatlich 4000 US-Dollar ganz und gar ausgeschlossen.

erschienen in Ausgabe 10 / 2014: Hoffen auf die Mittelschicht

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