Simbabwes Autokraten

Machtbewusst: Robert Mugabe und seine Frau Grace grüßen ihre Gäste auf der Feier zum 90. Geburtstag des Staats­präsidenten
im Februar.

Simbabwes Autokraten

Mugabe will die Macht vererben

In Simbabwe streiten zwei Flügel der Regierungspartei, wer dem greisen Staatspräsidenten nachfolgen soll. Der aber bringt seine Frau für das Amt in Stellung. Denn von der Macht zu lassen, wäre für seine Familie gefährlich.


Schon lange steht fest, dass sich die Mugabes am Niedergang ihrer Heimat bereichert haben. Außer mit dem Raub der Farmen sollen sie sich
– wie andere mächtige Familien – während der galoppierenden Inflation vor knapp zehn Jahren am enormen Unterschied zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem Schwarzmarktkurs bereichert haben: Sie ließen sich von der Zentralbank US-Dollar zum offiziellen Kurs geben, die sie dann auf dem Schwarzmarkt hundertmal teurer verscherbelten. Der damalige Zentralbankchef Gideon Gono ist ein persönlicher Freund der Präsidentenfamilie.

Zweifellos sind die Mugabes auch an der Ausplünderung von einer der reichsten Diamantenminen der Welt beteiligt: Die Gewinne aus dem sagenhaften Marange-Feld im Osten des Landes fließen fast ausnahmslos an der Staatskasse vorbei in die Taschen der politischen und militärischen Elite. Grace Mugabe empfindet ob ihres offen zur Schau gestellten Reichtums keine Scham. Sie pflegt sich in Luxusmarken wie Gucci, Louis Vuitton oder Bulgari zu präsentieren und fragte einst ihre Kritiker empört, ob denn Shoppen Sünde sei. „Dazu sind diese Läden doch da“, war ihre Antwort. Seitdem gibt man ihr Spitznamen wie „First Shopper“, „DisGrace“ (Schande) oder „Grabbin Grace“ (Grabscherin Grace).

Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin Sally Hayfron, der ersten, ghanaischen Ehefrau Mugabes, war Grace unter den Simbabwern noch nie wirklich beliebt. Noch während die nierenkranke Sally im Sterbebett lag – sie starb Anfang 1992 –, hatte Robert Mugabe das Verhältnis mit seiner 41 Jahre jüngeren Sekretärin begonnen. Den eklatanten Verstoß gegen seinen katholischen Glauben nahmen ihm schon damals viele übel. Auch Grace war zu Beginn ihrer Affäre mit dem mächtigsten Mann des Landes noch verheiratet: Ihr Ehemann Stanley Goreraza, ein Militärpilot, wurde kurzerhand als Militärattaché nach China versetzt.

Eine gebrauchte und missbrauchte Frau

Bislang hatte sie mit Politik nicht viel am Hut. Sie nutzte die Auslandsreisen an der Seite ihres Mannes eher zu Shopping-Exkursionen als zur politischen Profilierung. Die 2002 von der EU und den USA verhängten Reisebeschränkungen gegen einige ausgewählte VIP-Politiker trafen Frau Mugabe deshalb besonders hart. Sollte sie tatsächlich das mächtigste Amt im Staat anstreben, könne sie dabei nur verlieren, warnt die simbabwische Frauenrechtlerin Priscilla Misihairabwi-Mushonga: „Grace ist eine gebrauchte und missbrauchte Frau, die sich anschickt, den größten Fehler ihres Lebens zu begehen.“

Nach ihrer Wahl gab sich die neue Frauenliga-Chefin zuversichtlich. Sie habe „nie davon geträumt, in die Politik einzutreten“, räumte sie ein. Doch nun sei die Zeit gekommen, „zu zeigen, was ich kann“.

Selbst für eine gestandene Politikerin käme die Regierungsübernahme einer gewaltigen Aufgabe gleich. Schließlich muss einer der am gründlichsten ruinierten Staaten der Welt aus dem Ruin gezogen werden. Der südafrikanische Binnenstaat war einst doppelt so reich wie Südkorea; heute verfügt Simbabwe über ein jährliches Pro-Kopf-Einkommen von 370 Dollar, in Südkorea ist es fast hundert Mal so viel. Simbabwes Staatskasse ist leer. Schwangere, die in einem öffentlichen Krankenhaus entbinden lassen wollen, müssen ihre Pyjamas, Seife und sogar Wasser selbst mitbringen, weil die Hospitäler kein Geld mehr haben.

erschienen in Ausgabe 10 / 2014: Hoffen auf die Mittelschicht

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