Aids in Afrika
Aids in Afrika

Ein Priester wird nicht krank

(16.03.2015) Beim Thema HIV und Aids tut sich die katholische Kirche in Afrika noch immer schwer. Darunter leiden laut einer aktuellen Studie vor allem infizierte Priester oder Ordensleute. Auch bei der Präventionsarbeit sehen die Autoren Nachholbedarf.

Die Feldstudie der Arbeitsgruppe für weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz dokumentiert die HIV-Epidemie in Äthiopien, Sambia und Malawi und geht der Frage nach, wie die katholische Kirche darauf reagiert hat. Zwar attestieren die Autoren der Kirche in allen drei Ländern, sie habe sich stark für die medizinische Versorgung und Unterstützung von kranken und infizierten Menschen engagiert. In theologischen und ethischen Fragen hinke die Kirche aber noch sehr hinterher. Nach wie vor sei es ein Tabu, dass auch Priester und Ordensleute mit dem HI-Virus infiziert sind. Keiner würde darüber offen sprechen. Und eine HIV-Infektion gelte noch immer als Ausschlusskriterium für Anwärter auf das Priesteramt oder die Aufnahme in einen Orden.

Dabei könnten gerade Kirchenleute, die offen mit ihrer HIV-Infektion umgehen, Vorreiter im Kampf gegen Stigmatisierung und Diskriminierung sein, schreiben die Autoren. Obwohl die Kirche zahlreiche Dienste im Zusammenhang mit HIV anbiete, sehe sie sich häufig als Stelle, „die nicht von HIV berührt ist und nicht als eine Organisation, die selbst on der HIV-Epidemie betroffen ist“, heißt es in der Studie. HIV-Infizierte würden oft als Fremde gesehen, die nicht wirklich dazugehörten.

Gefährliche Moralvorstellungen

Die Studie, an der afrikanische und deutsche Theologen und Gesundheitsexperten beteiligt waren,  stellt auch eine Kluft zwischen gelehrter und gelebter Moral fest. Die Kirche habe beispielsweise keine klare Haltung zu Paaren, in denen ein Partner HIV-positiv ist. Im subsaharischen Afrika sind solche Partnerschaften einer der Hauptübertragungswege des Virus. Aus moraltheologischen Gründen verbietet die katholische Kirche aber grundsätzlich den Gebrauch von Kondomen. „Immer weniger Gläubige wenden sich deswegen in Fragen von HIV und Aids oder zur Sexualität und Ehe an ihren Gemeindepfarrer“, heißt es in der Studie. Eine Empfehlung der Autoren lautet, das Thema HIV und Aids stärker in der Ausbildung von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern zu verankern. Es gehe nicht nur um medizinische Aspekte, für viele Menschen seien moralische und spirituelle Fragen ebenso wichtig. „Die Kluft, die sich zwischen den Gemeindemitgliedern und dem Gemeindepfarrer aufgetan hat, muss geschlossen werden.“

Eine weitere Schwachstelle sehen die Autoren in der Zusammenarbeit der Kirche mit anderen Institutionen. Zwischen verschiedenen Initiativen in der gleichen Diözese gebe es oft kaum Austausch. Mitverantwortlich dafür sei die hohe Abhängigkeit der kirchlichen HIV-Programme von ausländischen Geldgebern. Diese nähmen oft Einfluss auf die Aktivitäten vor Ort und gewährten Geldmittel nur für eine befristete Zeit. Selbst gut laufende Projekte müssten nach Ablauf der Förderfrist wieder eingestellt werden. Die Autoren der Studie empfehlen deshalb, in jedes Projekt lokale einkommenssichernde Aktivitäten einzubeziehen, um den mit HIV-infizierten Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben.

 

erschienen in Ausgabe 4 / 2015: Unternehmen: Fair bringt mehr

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