Krise mit Ankündigung im Niger

Das Sahel-Land Niger steht erneut vor einer Ernährungskrise. Doch dieses Mal reagieren Regierung, Hilfsorganisationen und Geberländer schneller und koordinierter als noch vor fünf Jahren. Damit steigen die Aussichten, Menschenleben zu retten – auch wenn die Ursachen für die Nahrungsmittelknappheit nicht beseitigt sind.

Die Zahlen gleichen sich: Rund 2,7 Millionen Menschen im Niger sind in diesem Jahr laut ihrer Regierung von Hunger bedroht. Vor fünf Jahren, während der letzten großen Nahrungsmittelkrise, waren es 2,5 Millionen. Wieder haben zu geringe und unregelmäßige Niederschläge zu großen Ernteverlusten geführt. Im Gegensatz zu 2005 ist zwar importiertes Getreide aus den Nachbarländern auf den Märkten vorhanden, doch die Preise dafür sind gestiegen, während die Einkommen gesunken sind. Die ärmsten Familien können sich nichts zu essen kaufen. Die Ausgangssituation ist also ähnlich: Millionen Arme müssen mit Nahrungsmitteln versorgt werden.

Doch es gibt einen vielleicht entscheidenden Unterschied: Dieses Mal sind die nigrische Regierung, die internationalen Hilfsorganisationen und die Geber besser vorbereitet. Sie haben ihre Lehren aus der Krise gezogen. 2005 hatte Nigers Regierung lange Zeit bestritten, dass Nahrungsmittel knapp würden. Als sie im Mai des Jahres dann gemeinsam mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen um Hilfe bat, blieb die erhoffte Reaktion der internationalen Gemeinschaft aus. Erst Fernsehbilder von hungernden Kindern brachten im Sommer Spender und Geberländer schließlich dazu, ihre Geldbeutel zu öffnen.

Seitdem hat sich einiges getan: Die Zahl der NGOs im Land hat zugenommen und die Koordination hat sich verbessert. Vor allem jedoch wurden Frühwarnsysteme und ein besserer Informationsaustausch etabliert. So unternahm die nigrische Regierung bereits im Dezember 2009 eine nationale Erhebung, auf deren Grundlage gemeinsam mit fünf UN-Organisationen und neun NGOs im April ein humanitärer Aktionsplan erstellt wurde. Er sieht Hilfe in Höhe von insgesamt 190 Millionen US-Dollar vor. Bislang ist er zu einem Drittel finanziert; das ist längst nicht genug, aber im Vergleich zu 2005 doch ein Fortschritt. Eine schnelle und koordinierte Katastrophenhilfe rettet Menschen vor dem Tod. Die Ursachen der Armut oder der Knappheit von Nahrungsmitteln bekämpft sie allerdings nicht. Aus dieser Krise wäre eine weitere wichtige Lehre zu ziehen: dass es gar nicht mehr so weit kommen darf. (gwo)

erschienen in Ausgabe 6 / 2010: Vom klein sein und groß werden