Vom klein sein und groß werden

Heft 6 / 2010

Kinder und Jugendliche brauchen Freiräume, um neue Erfahrungen zu machen und sich die Welt zu erschließen. Das Recht auf Freizeit, Spiel und kulturelle Betätigung gehört zu den in der UN-Kinderrechtskonvention niedergelegten Rechten, ebenso wie der Schutz vor Gewalt und Ausbeutung und das Recht auf eine angemessene Grundversorgung. Das Ideal einer Kindheit, die von Arbeit, Gewalt und Tod unberührt bleibt, ist dagegen für reiche Länder typisch. Es auf arme Gesellschaften zu übertragen, hilft den Kindern dort nicht unbedingt.
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Kindheit und Jugend

Heftschwerpunkt

Viele junge Afrikaner träumen von einer Karriere als Profifußballer bei großen Clubs in Europa. Talente nach Europa zu locken, ist für Agenten und Fußballvereine ein großes Geschäft. Doch viele Spieler müssen sich mit einem unsicheren Aufenthaltsstatus bei dritt- oder viertklassigen Vereinen durchschlagen.
Während im Westen Mädchen und Jungen möglichst behütet auf ihre Zukunft vorbereit werden, müssen sie in den Ländern des Südens oft schon in jungen Jahren arbeiten oder Krieg führen.
Viehhirten, die nomadisch leben, können ihre Kinder nicht in eine normale Schule schicken. Auch andere Bildungsangebote – vom Internat bis zur mobilen Schule – sind für Hirten in den Trockenzonen der Erde, die sich das ganze Jahr mit ihren Herden bewegen, nicht geeignet. Fernkurse mit Audio-Medien kommen ihren Bedürfnissen am meisten entgegen.
Die Internationale Arbeitsorganisation ILO setzt sich für ein Verbot der Kinderarbeit ein. Laut ihrem jüngsten Bericht müssen weltweit mehr als zehn Millionen Kinder als Hausangestellte schuften. Doch soziale Bewegungen arbeitender Kinder und Jugendlicher aus Afrika, Asien und Lateinamerika sehen manches anders.
Der Geisteswissenschaftler Mark LeVine schrieb im Juni 2010 über Heavy Metal im Iran. „welt-sichten“-Volontär Sebastian Drescher sagt: Ein spannender Artikel, der verfolgt, wie sich eine junge Metalszene im konservativen Mullah-Staat Freiräume erkämpft.

Welt-Blicke

Das kleine Land Malawi im südlichen Afrika wird als Vorreiter auf dem Weg aus der Armut gepriesen. Doch das Modell stößt an Grenzen: An der ungerechten Verteilung von Ackerflächen hat sich nichts geändert.
Als Robert Mugabe 1980 an die Spitze der neuen Republik Simbabwe gewählt wurde, nahm er sein Volk und das Ausland mit einer Politik der Versöhnung und Integration für sich ein. Doch von Anfang an versuchte er auch, seine Machtposition zu festigen – wenn nötig mit Gewalt.
Frauen in Indonesien haben ein hohes Risiko, bei der Geburt eines Kindes zu sterben. Das liegt an den großen regionalen Unterschieden in der Gesundheitsversorgung, aber auch an Defiziten bei Sexualaufklärung und Schwangerschaftsverhütung.
Der Ökumenische Rat der Kirchen will eine gemeinsame Stimme von Kirchen aus aller Welt für Frieden und Gerechtigkeit bleiben, erklärt Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des ÖRK.

Standpunkte

Die afghanische Regierung hat unlängst 172 nationalen und ausländischen Hilfsorganisationen die Arbeitserlaubnis entzogen. Ist das schlimm? Nein.
Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat einen guten Ruf, aber oft ist sie unwirtschaftlich, schwerfällig und wenig innovativ. Das liegt daran, dass sich die staatlichen Agenturen GTZ und KfW-Entwicklungsbank um Aufträge nicht bemühen müssen, sondern sie ohnehin kriegen.
Das Sahel-Land Niger steht erneut vor einer Ernährungskrise. Doch dieses Mal reagieren Regierung, Hilfsorganisationen und Geberländer schneller und koordinierter als noch vor fünf Jahren.
Die Regierungen armer Länder verpachten zunehmend Agrarland an andere Staaten oder Privatunternehmen. Die bauen dort dann Lebensmittel für den eigenen Bedarf oder Pflanzen für Agrotreibstoffe an, während die betroffenen Bauern ihre Lebensgrundlage verlieren.
Mit Krediten und Bürgschaften in schwindelerregender Höhe wollen die Regierungen der Eurozone ihre hoch verschuldeten Mitgliedstaaten und damit den Euro retten. Doch ihre Rezepte erinnern fatal an den Umgang mit überschuldeten Entwicklungsländern seit den 1980er Jahren.
Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft hat der Entwicklungspolitik bislang wenig gebracht.

Journal

Im Dezember 2009 haben sich christliche Palästinenser angesichts der fortdauernden Besetzung des Westjordanlands durch Israel mit einem Hilferuf an die Weltöffentlichkeit gewandt. Der ÖRK hat dies mit einem ähnlichen Aufruf südafrikanischer Kirchen von 1985 verglichen, der damals der weltweiten Bewegung gegen die Apartheid großen Schub verliehen hatte.
Mit der Kenntnis kultureller Normen und Werte in Entwicklungsländern ist es in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit nicht zum Besten bestellt. Das wurde bei einem Symposium zum Thema „Kultur und globale Entwicklung“ deutlich.
Der Gesetzentwurf der Regierung zur Rückerstattung sogenannter Potentatengelder an die Herkunftsländer sei in wichtigen Punkten nicht ausreichend, kritisieren entwicklungspolitische Organisationen und politische Parteien.
Die EU-Kommission hat einen neuen Ansatz zur Förderung der Ernährungssicherheit formuliert, um bis 2015 die Halbierung des Hungers weltweit zu schaffen.
Dank einiger kleinerer Mitgliedstaaten schneidet die EU gar nicht so schlecht ab bei ihrem Ziel, die Entwicklungshilfe bis 2015 auf 0,7 Prozent des Bruttosozialproduktes zu erhöhen. Vom Etappenziel für 2010 indes ist die EU weit entfernt.
Bei der Vorbereitung in Südafrika waren die Erfahrungen der deutschen Austragungsorte gefragt.
Für einen erfolgreichen Kampf gegen Klimawandel und Armut in Entwicklungsländern ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Religionen nötig. Darin waren sich Vertreter von Christentum und Islam bei einer Podiumsdiskussion auf dem Ökumenischen Kirchentag in München einig.
Die Arzneimittelfirma Spitzner geht im Streit um ihr Medikament „Umckaloabo“ in die Offensive. Im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit um die Patentierung des Mittels werfen Hilfswerke dem Unternehmen „Biopiraterie“ vor.
Nach dem Desaster des UN-Klimagipfels bemühten sich Vertreter aus 45 Ländern bei einem informellen Dialog auf dem Petersberg bei Bonn um Schadensbegrenzung.
In vielen Ländern wird Homosexualität hart bestraft, in einigen sogar mit dem Tode. Die deutsche Außen- und Entwicklungspolitik kümmert sich darum kaum, kritisieren Aktivisten und Menschenrechtler.
Offiziell hält Berlin am 0,7-Prozent-Ziel fest. Doch die Leitung des Entwicklungsministeriums will vor allem die Wirksamkeit der Mittel steigern. Die Opposition bezweifelt, dass die Strategie der Regierung zum Erfolg führt.
Die Sparpläne der österreichischen Bundesregierung betreffen auch die Entwicklungszusammenarbeit: Voraussichtlich sollen die Mittel im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent gekürzt werden.

Süd-sichten

Bauern im bolivianischen Tiefland setzen auf den biologischen Anbau des Süßkrauts Stevia - ein Gespräch mit German Amba Tancara. Der 52-Jährige lebt im bolivianischen Dorf Santa Fé, wo er die Kooperative Meprosor mitgegründet hat.
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