Malaria-Impfstoff
Malaria-Impfstoff

Kein Wundermittel

Die EU-Arzneimittelbehörde empfiehlt, einen neu entwickelten Impfstoff gegen Malaria in Afrika einzusetzen. Tropenmediziner kritisieren die begrenzte Wirkung.

Erstmals steht ein Impfstoff gegen die tödliche Tropenkrankheit Malaria kurz vor der Zulassung. Rund 30 Jahre haben Forscher des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline (GSK) gemeinsam mit der PATH Malaria Initiative daran gearbeitet. Nun wurde RTS,S (Mosquirix) von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA zugelassen. Sie empfiehlt, das Mittel in Afrika einzusetzen.

Der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gregory Hartl, begrüßte die Entscheidung der EMA als „Meilenstein“. Die WHO werde den Impfstoff im November bewerten. Zugleich betonte er, die Finanzierung von RTS,S dürfe nicht zu Lasten von Moskitonetzen und Insektenschutzmitteln gehen. Sie sind wichtig für die Prävention, weil die Malaria-Erreger von Stechmücken übertragen werden.

Während einer vierjährigen Feldstudie hatten rund 15.500 Säuglinge und Kleinkinder in sieben afrikanischen Ländern das Mittel bekommen. Die Zahl der Malaria-Fälle bei sechs bis zwölf Wochen alten Babys ging um 27 Prozent zurück; bei den fünf bis 17 Monate alten Kindern um  46 Prozent. Insgesamt sind vier Impfdosen nötig; die EMA empfiehlt, den Impfstoff in beiden Altersgruppen einzusetzen. Laut der Behörde soll er gleichzeitig vor Hepatitis B schützen.

Moskitonetze bleiben wichtig

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zeigte sich skeptisch. „Der Impfstoff ist nicht bahnbrechend für Kinder, die vom Tod durch Malaria bedroht sind“, sagt der Leiter der Malaria-Arbeitsgruppe, Martin De Smet. Zwar könne er die Zahl der Malariafälle um etwa ein Drittel senken. Die Gemeinden, in denen er eingesetzt werde, und die Gesundheitsdienste müssten jedoch „bei jeglicher künftigen Verwendung des Impfstoffs über seine begrenzte Wirkung informiert werden“, erklärt De Smet. Es sei entscheidend, auch die geimpften Kinder in den gefährdeten Gebieten weiter auf Malaria zu testen.

Auch der Direktor des Tropenmedizinischen Instituts des Universitätsklinikums Tübingen, Peter Kremsner, räumt ein: „Der Impfstoff ist nicht so wirksam, wie wir uns das erhofft haben“. Der Wissenschaftler hat die Studie im westafrikanischen Gabun koordiniert. Für ihn ist RTS,S dennoch ein „kleiner Durchbruch“ für die Forschung, weil er als erster Malaria-Impfstoff überhaupt von der EMA empfohlen wird. In zwei bis drei Jahren wollen er und sein Team einen weiteren Impfstoff entwickelt haben. In ersten Stichproben sei bereits ein Malaria-Schutz von fast 100 Prozent erzielt worden.

Malaria ist eine der tödlichsten Krankheiten der Welt. Laut WHO sterben daran jährlich mehr als 600.000 Menschen, die meisten von ihnen in Gebieten südlich der Sahara.

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