Urbane Nahrungsversorgung
Urbane Nahrungsversorgung

Gesund kochen in Gemeinschaftsküchen

Die rasante Urbanisierung gefährdet die Versorgung der Stadtbewohner mit Lebensmitteln. Doch neben Hunger und Mangelernährung wird im globalen Süden auch Übergewicht zum Problem.

Zum Abschluss der Expo 2015 in Mailand unter dem Motto „Feeding the Planet, Energy for Life“  haben rund hundert Vertreter von Städten und Gemeinden aus aller Welt Mitte Oktober einen Urban Food Pact (städtischen Ernährungspakt)  geschlossen. Darin verpflichten sich die Bürgermeister, für eine ausreichende Ernährung  aller Stadtbewohner zu sorgen, regionale und nachhaltige Lebensmittel zu fördern, über gesundes Essen aufzuklären und die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu begrenzen.

Das sei ein starkes Signal angesichts von  globalen Herausforderungen wie Hunger und Mangelernährung, aber auch von 1,3 Millionen Tonnen weggeworfener Lebensmittel pro Jahr, sagte der Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia. Laut Schätzungen sollen bis zum Jahr 2050 mehr als sechs Milliarden Menschen in Städten leben. Am schnellsten wachsen kleine und mittlere Städte in Afrika und Asien mit derzeit unter einer Million Einwohner. Die rasante Urbanisierung erschwert die Versorgung von Teilen der Stadtbevölkerung mit gesunden Lebensmitteln. Wenn die Preise steigen, können sich die Ärmsten weniger zu essen kaufen. 

Erreichen wollen die Bürgermeister ihre Ziele, indem sie zum Beispiel Ansätze zur Gemeinwohl-Ökonomie und die regionalen Wirtschaftskreisläufe stärken wollen. Außerdem versprechen sie, mit öffentlichen Einrichtungen wie Tafeln und Gemeinschaftsküchen die Versorgung der Ärmsten mit Lebensmitteln und Mahlzeiten sicherzustellen.

Doch neben dem Kampf gegen den Hunger rückt Übergewicht als Ursache für Krankheiten immer mehr in den Fokus – vor allem in den Ländern des globalen Südens. Um dagegen anzugehen, verpflichten sich die Unterzeichner, eine gesunde, kulturell angepasste und umweltfreundliche Ernährung zu fördern und besonders Schulen sowie städtische Kantinen und Betriebe entsprechend auszustatten. Um ernährungsbedingten Krankheiten besser vorzubeugen, sollen die Städte nicht nur freiwillige Anreize bieten, sondern auch ökonomisch umsteuern, etwa durch eine Kennzeichnung von schädlichen Lebensmitteln wie zuckerhaltigen Getränken.

erschienen in Ausgabe 12 / 2015: Agrarindustrie: Vitamine aus der Tüte

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