Jobmesse
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Gesucht: Flüchtlinge und Asylwerber

Wer in Österreich unter 18 ist, soll entweder zur Schule gehen oder aber einen Ausbildungsplatz garantiert bekommen. Allerdings gilt das nicht für junge Flüchtlinge. Dabei kommen gerade die bei den Firmen gut an.

Österreichs Nationalrat hat Anfang Juli im letzten Plenum vor der Sommerpause eine Ausbildungsgarantie für Jugendliche unter 18 Jahren beschlossen. Damit soll sichergestellt werden, dass die etwa 5000 minderjährigen Jugendlichen, die jedes Jahr nach der Schule ohne Ausbildungsplatz dastehen, entweder weiter eine Schule besuchen oder eine Lehre oder eine anderweitige Ausbildung absolvieren. Bisher nahmen sie Hilfstätigkeiten an oder stiegen erst gar nicht in den Arbeitsmarkt ein.

Nicht eingeschlossen jedoch sind jugendliche Flüchtlinge, weil die konservative ÖVP fürchtet, eine Ausbildungsgarantie könnte zusätzlich Asylwerber anlocken. Auf Druck der Grünen, die mit ihren Stimmen die notwendige Verfassungsmehrheit für den Beschluss geliefert haben, wurden aber per Entschließungsantrag zusätzliche Sprach- und Alphabetisierungskurse für junge Asylwerber vereinbart. Dafür wurden 27 Millionen Euro budgetiert.

Von entwicklungspolitischen Hilfswerken kommt dennoch Kritik. So sieht das kirchliche Don Bosco Flüchtlingswerk den Ausschluss minderjähriger Asylwerber als „kurzsichtig und ein Armutszeugnis für Österreich“. Zudem werde so ein Kreislauf in Gang gesetzt, der dazu führe, dass Menschen mit Fluchthintergrund nur schwer der Armut entrinnen können, erklärt Geschäftsführerin Eva Kern in einer Pressemitteilung. Rund 6400 geflüchtete Kinder und Jugendliche benötigen laut der Hilfsorganisation derzeit Bildungs- beziehungsweise Ausbildungsplätze. Bis zu drei Jahre müssen Asylbewerber auf ihren Bescheid warten: „Anstatt den jungen Menschen in dieser Zeit Bildung zu ermöglichen, wird ihnen wertvolle Lebenszeit gestohlen“, kritisiert Kern.

Auf der Jobbörse gab es rund tausend Stellen für Flüchtlinge

Dass Asylbewerber arbeiten und nicht in erster Linie das Sozialsystem in Anspruch nehmen wollen, bewies die erste Wiener Jobmesse für Geflüchtete am 30. Juni. Auf der von rund 3500 mehrheitlich jungen Männern und Frauen besuchten Messe „chancen:reich“ wurden 900 Bewerbungsgespräche geführt. Insgesamt mehr als 1000 Stellen in unterschiedlichen Branchen waren zu vergeben, darunter auch Praktika und Ausbildungsplätze. Die Einzelhandelsketten REWE und Spar waren ebenso vertreten wie der schwedische Möbelriese IKEA, der freie Jobs in der Logistik, im Verkauf und im Restaurant zu bieten hatte. Der Tiroler Kristallschmuckhersteller Swarowski suchte hochqualifierte Mitarbeiter. Magdas Hotel der Caritas nimmt auch ungelernte Kräfte für die Küche. Die Wirtschaftagentur Wien unterstützt Gründer bei der Umsetzung von Geschäftsideen.

Etwa 50 Unternehmen stellten sich einem großen Pool an Bewerbern und Bewerberinnen vor und informierten über Job- und Ausbildungsmöglichkeiten. In den ehemaligen kaiserlichen Hofstallungen konnte man Kontakte anbahnen und Beratungsgespräche führen sowie Workshops in Arabisch und Farsi über Unternehmensgründung in Österreich besuchen, lernen, wie man ein Bewerbungsschreiben aufsetzt, Flucht- und Integrationserfahrungen austauschen und professionelle Fotos für eine Bewerbung machen lassen.

Organisiert wurde die Veranstaltung als private Initiative von der jungen Unternehmensberaterin Stepanie Cox und dem 25-jährigen Leo Widrich, der in San Francisco ein IT-Unternehmen betreibt. „Integration muss über den Arbeitsmarkt geschehen. Es ist wichtig, neue Perspektiven für Geflüchtete und Unternehmen zu schaffen“, sagt Widrich. Als Kooperationspartner wurde der Arbeitsmarktservice (AMS) gewonnen, das österreichische Pendant zur deutschen Arbeitsagentur.

erschienen in Ausgabe 8 / 2016: Zucker: Für viele süß, für manche bitter

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