Cholera in Haiti

Impfung gegen Cholera: 2016 sollen insgesamt 400000 Haitianer immunisiert werden.

Cholera in Haiti

Ein bisschen Schuld

Die Vereinten Nationen (UN) haben erstmals angedeutet, dass sie für den Ausbruch der Cholera in Haiti mitverantwortlich sind. Was daraus folgt, ist noch unklar.

Mehr als Zehntausend Menschen sind der Epidemie in Haiti seit 2010 zum Opfer gefallen. Nepalesische Blauhelmsoldaten, die nach dem Erdbeben auf der Karibikinsel stationiert wurden, hatten den Erreger eingeschleppt. Das zumindest sehen Experten als längst erwiesen an. Die Blauhelme aus Nepal hatten offenbar ungeklärt Fäkalien erkrankter Soldaten entsorgt. Was genau damals passierte und wie die Vereinten Nationen versuchten, den Vorfall zu vertuschen, hat der Reporter Jonathan M. Katz bereits 2013 in „welt-sichten“ berichtet.

Vergangene Woche zitierte Katz in der „New York Times“ aus einem Papier, in dem die UN erstmals von einer Mitverantwortung an dem Ausbruch sprechen. In dem Entwurf schreibt der UN-Sonderberichterstatter für extreme Armut und Menschenrechte, Philip Alston, „dass die Epidemie ohne die Vereinten Nationen nicht ausgebrochen wäre“.

Ein Sprecher der Organisation sagte später gegenüber dem Nachrichtensender „CNN“, die Vereinten Nationen seien im Laufe des vergangenen Jahres zu der Erkenntnis gelangt, dass sie in Bezug auf die eigene Rolle beim Cholera-Ausbruch mehr tun müssten: „Die UN haben eine moralische Verantwortung.“

Ein echtes Schuldeingeständnis ist das allerdings nicht. Kurz zuvor hatte ein amerikanisches Gericht erneut eine Klage auf Schadensersatz von Cholera-Opfern gegen die UN zurückgewiesen. Ähnliche Klagen hatten die UN in der Vergangenheit mit dem Verweis auf die Immunität der Organisation abgeschmettert.

Ungeachtet dessen wollen die UN erstmals direkt Cholera-Opfern und deren Angehörigen finanziell helfen. Mehr Geld als bisher soll auch in den Ausbau der Wasserversorgung und das Gesundheitssystem des armen Karibikstaates fließen. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon rief die Mitgliedsländer dazu auf, die nötigen Gelder dafür bereitzustellen.

Wie viel die Absichtserklärungen den Haitianern bringen, die weiterhin an der Cholera erkranken, wird sich in den kommenden zwei Monaten zeigen. Dann nämlich soll die Endfassung von Alstons Bericht erscheinen – und die UN-Mitglieder werden auf der Generalversammlung im September zeigen, wie ernst es ihnen mit der Schadensbegrenzung in Haiti ist. 

Jonathan Katz zumindest sieht in dem vorläufigen Eingeständnis ein gutes Zeichen: Dies sei das Ergebnis eines jahrelangen Ringens zwischen den zwei Fraktionen in den in dieser Frage gespaltenen Vereinten Nationen. Die eine Seite wolle die Weltorganisation vor jeder Form der Haftung schützen, die andere Seite hingegen verweise auf den Auftrag der UN, die Menschenrechte zu schützen. Das müsse auch für die eigene Organisation gelten. 

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