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Christliches Leben in Yangon im Süden von Myanmar: Gebet in einer Methodisten-Kirche.

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Myanmars neue Lutheraner

Sie ist klein, jung und wächst ungemein schnell. Die Lutherische Kirche in Myanmar ist ein Beispiel dafür, dass nicht nur Evangelikale und Pfingstler erfolgreich neue Kirchen gründen können. Voraussetzung ist, dass Schwesterkirchen weltweit das nötige Geld dafür geben.

Begonnen hat alles wie ein Familienunternehmen. Vor nicht einmal zwanzig Jahren, am 1. März 1998, gründete Pfarrer Andrew Mang Lone zusammen mit seiner Frau und den drei Kindern die Lutherische Kirche in Myanmar (MLC). Auf diese Idee war er zwei Jahre zuvor bei einem Bibelschultraining bei den Lutheranern in Malaysia gekommen. „Viele dachten, wir würden keine drei Jahre überleben“, sagt Mang Lone, der heute Bischof der MLC ist. Doch zu seiner Kirche gehören im Juni 2016 insgesamt 3352 Mitglieder, 17 ordinierte Pfarrer und 25 Evangelisten (Laien-Prediger). Tendenz steigend.
Viele waren früher Anglikaner oder Baptisten. Mang Lone selbst war bis 1990 anglikanischer Priester. Dann trat er aus und evangelisierte in verschiedenen Dörfern, was ihm unter der damaligen Militärjunta die Inhaftierung in ein Militärcamp einbrachte, wo er nach eigenen Worten fast gestorben wäre.

Nach der Kirchengründung war eines seiner ersten Projekte ein Waisenhaus, in dem Kinder eine gute Schulbildung bekommen. Den Ärmsten der Armen zu helfen, auch wenn die finanziellen Mittel begrenzt sind, sei das Motto der Arbeit der MLC. „Im Zweifelsfall verzichten wir auf eine Mahlzeit am Tag, um sie den Armen geben zu können“, sagt Mang Lone und berichtet stolz, dass von der ersten Generation Waisenkinder heute viele Lehrer, Pfarrer, Polizisten oder Soldaten seien. Einer habe es sogar bis in den Offiziersrang geschafft.

Eine Volkszählung hat unlängst ergeben, dass von den 51,4 Millionen Einwohnern Myanmars 87,9 Prozent Buddhisten sind, was im Vergleich zur Volkszählung von 1983 einen leichten Rückgang von gut einem Prozent darstellt. Gewachsen ist dagegen der Anteil der Christen, sie stellen mit 6,2 Prozent heute die zweitgrößte Religionsgruppe in Myanmar dar. Vier Fünftel von ihnen gehören einer evangelischen Kirche und ein Fünftel der katholischen Kirche an. Der Anteil der Muslime wird mit 4,3 Prozent und der der Hindus mit 0,5 Prozent angegeben.

Die meisten Mitglieder der MLC kommen aus ländlichen Gegenden und haben nur sehr wenig Geld, das sie ihrer Kirche abgeben könnten. Deswegen ist die MLC finanziell fast vollständig abhängig von dem, was sie aus dem Ausland bekommt. Zu ihren Sponsoren gehören der Lutherische Weltbund, aber auch einzelne Kirchen in Amerika, Australien und Europa, darunter die Lutherische Kirche in Bayern. Sie alle finanzieren den Gemeindeaufbau, bei dem die MLC sehr erfolgreich ist. 14 Gemeinden gibt es bereits. Beim Aufbau einer neuen Gemeinde geht es nicht allein darum, den Menschen die Bibel zu erklären. In ihrer Ausbildung lernen die Evangelisten auch moderne landwirtschaftliche Methoden kennen, mit denen Kleinbauern ihre Erträge steigern können.

Mit den Behörden gab es bislang keine Probleme

Neben der MLC gibt es noch drei weitere und ältere lutherische Kirche in Myanmar. „Dass sie sich nicht längst zu einer einzigen Kirche zusammengeschlossen haben, liegt an ihren unterschiedlichen Mission- bzw. Entstehungsgeschichten und hat auch ethnische Hintergründe“, sagt Philip Lok Oi Peng, Asienreferent beim Lutherischen Weltbund, der 2013 in seiner damaligen Funktion als Bischof in Malaysia Andrew Mang Lone ins Bischofsamt eingesetzt hat. Um die Ökumene vor Ort macht er sich aber keine Sorgen. „Immerhin haben die vier lutherischen Kirchen mittlerweile den Verband Lutherischer Kirchen in Myanmar gegründet. In einem Land, in dem Christen nur eine kleine Minderheit bilden, ist Ökumene besonders wichtig“, sagt Lok. Auch das Lutherische Bibelschul-Institut (LBTI) arbeitet interkonfessionell mit den Anglikanern und Baptisten zusammen.

Mit den Behörden hat die junge Kirche bisher keine Probleme gehabt. Bis auf eine Ausnahme: Im Herbst 2014 monierte der Stadtrat von Yangon, dass das Gebäude der MLC gar nicht wie eine Kirche aussehe. Sie solle bis Ende des Jahres ein weithin sichtbares Kreuz auf dem Dach anbringen, ansonsten werde die Kirche geschlossen. Die Kosten von knapp 20.000 Dollar waren für die MLC ein Riesenbetrag. Die Lutherischen Partnerkirchen in aller Welt brachten das Geld schnell zusammen, so dass seither jeder auf den ersten Blick sehen kann, dass die MLC eine richtige Kirche ist.
Katja Dorothea Buck

erschienen in Ausgabe 9 / 2016: Tourismus: Alles für die Gäste

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