Bewegungsmelder

"Die Dinosaurier wären im Vergleich zu uns ein Erfolgsmodell"

Wolfram Stierle arbeitet im Leitungsstab des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Wir fragen Menschen aus der Szene, was sie bewegt und was sie wütend macht. Dieses Mal: Der Wirtschaftsethiker und Theologe Wolfram Stierle.

Was treibt Sie an, und was macht Sie wütend?
Ich glaube, wir leben in einer ganz besonderen Zeit, an einem historischen Wendepunkt. Jetzt entscheidet sich, ob es auf unserem Planeten mit uns Menschen weiter geht oder nicht. Wenn wir nicht all unsere Kraft in eine nachhaltige Entwicklung investieren, könnte bald alles vorbei sein. Dann wären die Dinosaurier im Vergleich zu uns noch ein Erfolgsmodell – sie haben immerhin ziemlich lange gelebt. Wütend machen mich Arroganz und Selbstzufriedenheit. Im Vergleich zu den Anstrengungen, die es beispielsweise erfordert, in einer Favela klarzukommen und sich unter rechtlosen Umständen zu organisieren, ist es keine besondere Leistung, hierzulande einen BWL-Abschluss zu machen.

Wen würden Sie mit dem alternativen Nobelpreis auszeichnen?
Ich würde den Rechercheverbund auszeichnen, der über lange Zeit und mit großer Disziplin und Professionalität die Panama Papers erforscht und herausgebracht hat. Im Moment ist es so, dass man für illegales Kapital Oasen bereitet, für flüchtende Menschen aber nicht. 400 Journalisten von 100 Medien aus 78 Ländern haben dem etwas entgegengesetzt.

Mit wem würden Sie gerne einmal  streiten?
Mit Max Weber, falls ich ihm einmal – in Himmel oder Hölle – begegnen sollte. Und zwar über seine meiner Meinung nach unselig vereinfachende Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Vielleicht würde er aber auch sagen, er habe das alles ganz anders gemeint als seine Interpreten.

Was ist Ihnen besonders gelungen?
Da bin ich vorsichtig. Ich freue mich, wenn Leute auf mich zukommen und wir gemeinsam auf gute Ideen kommen. Einzelne Beispiele möchte ich lieber nicht herausgreifen.

Was ist schief gegangen und wieso?
Es klingt vielleicht merkwürdig, aber ich sehe sogenannte Misserfolge nicht als Scheitern. Als Student durfte ich als Stipendiat im Zimmer von Georg Wilhelm Friedrich Hegel wohnen. These, Antithese und Synthese sind mir in Fleisch und Blut übergegangen. Die Antithese, also wenn man so will der Misserfolg, ist nicht das Ende der Geschichte. Auch die Misserfolge führen uns weiter – wenn wir aus ihnen lernen. 

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