Kirche auf den Philippinen
Bischof Ludwig Schick mit Bischof Broderick S. Pabillo im Armenviertel Baseco in Manila.
Kirche auf den Philippinen

Zwischen IS und Drogenmafia

Das Verhältnis zwischen den katholischen Bischöfen auf den Philippinen und Präsident Rodrigo Duterte ist schlecht. Das mindere allerdings nicht den Einfluss, den die katholische Kirche nach wie vor auf Gesellschaft und Politik habe, meint Ludwig Schick. Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz hat den Inselstaat im Juni besucht.

Lässt sich Duterte überhaupt von der Kritik der Bischöfe beeindrucken?
Ganz unbeeindruckt ist er nicht. Sonst hätte er das Vorhaben nicht wieder zurückgenommen, die Strafmündigkeit von Jugendlichen von 15 auf neun Jahre abzusenken. Ob er nun auch bei der geplanten Wiedereinführung der Todesstrafe umschwenkt, kann man nur hoffen. Insgesamt ist die katholische Kirche auf den Philippinen aber nach wie vor eine wichtige Stimme in der Gesellschaft.

Duterte genießt aber nach wie vor ein hohes Ansehen in der Bevölkerung. Auf wen hört die Mehrheit der Bevölkerung mehr? Auf Duterte oder auf die katholische Kirche?
Das Wort der katholischen Kirche hat nach wie vor großes Gewicht. Dass Duterte vor gut einem Jahr an die Macht gekommen ist, hängt vor allem damit zusammen, dass seine Vorgänger die großen Probleme wie den Drogenhandel, die Kriminalität und die Armut, unter denen die Menschen sehr leiden, sowie die Korruption und bürgerkriegsähnlichen Zustände nicht in den Griff bekommen haben. Duterte hat sich im Wahlkampf als jemand präsentiert, der endlich mal aufräumen wird. Das hat ihm viele Stimmen gebracht. Mittlerweile fragen immer mehr aber auch nach den Ergebnissen. Vom Drogenhandel sind viele Familien betroffen. Ihre Kinder sind abhängig oder verdienen im Drogenhandel ihr Geld. Auch die Bischöfe wollen, dass dieses Problem gelöst wird, aber eben nicht, indem Killerbanden losgeschickt oder geduldet werden, die ungestraft Menschen ermorden.

Was tut die katholische Kirche gegen den Drogenmissbrauch?
Für die katholische Kirche auf den Philippinen ist das Drogenproblem vor allem eine Folge der Armut und der sozialen Missstände. Deswegen engagiert sie sich zum Beispiel in den Slums der großen Ballungsgebiete dafür, dass Menschen dort menschenwürdig leben können, dass sie Strom und fließendes Wasser bekommen und dass die Kinder und Jugendlichen in die Schule gehen können. Daneben gibt es viele katholische Beratungszentren für Drogenabhängige sowie ihre Familien, aber auch für verurteilte Dealer, mit denen zusammen Wege gesucht werden, wie sie in der Gesellschaft wieder Fuß fassen können.

Ludwig Schick ist Erzbischof von Bamberg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz. Erzbistum Bamberg
Sie haben in Manila einen Gottesdienst mit Angehörigen von Opfern des Kriegs gegen Drogen gefeiert. Was ist Ihr Eindruck, was am dringendsten getan werden müsste, damit das Klima der Gewalt ein Ende hat?
Die Jugendlichen brauchen dringend Perspektiven. Wenn sie keinen Beruf und keine Arbeit haben, fehlen ihnen die Zukunftschancen. Im Drogenhandel verdienen sie dann ihr Geld. Solche marginalisierten Jugendlichen sind eine einfache Beute für die Drogenbosse. Die Kirche baut hier auf Aufklärung und Bildung. Die jungen Menschen müssen verstehen, auf was sie sich einlassen und was mit ihnen passiert. Die Familien, die ich im Gottesdienst getroffen habe, sind leidgeprüft. Zum einen hängen sie natürlich an ihren Kindern, zum anderen wünschen sie sich, dass endlich die eigentlich Verantwortlichen in der Drogenmafia bestraft werden. Deswegen genießt Duterte ja die Zustimmung eines Großteils der Bevölkerung, zumindest in diesem Punkt. 

Ein anderes großes Thema auf den Philippinen ist der Unabhängigkeitskampf muslimischer Separatistengruppen auf der Insel Mindanao, der schon seit mehr als vierzig Jahren andauert. In Marawi ist der Konflikt nun eskaliert, die Stadt wurde von islamistischen Gruppen besetzt und ein katholischer Priester entführt. Haben all die Dialogprojekte der letzten Jahre überhaupt etwas gebracht?
Sie waren die Grundlage dafür, dass nun ein Friedensvertrag zwischen den christlichen und muslimischen Gruppen auf Mindanao vorliegt. Er muss von der Regierung in Kraft gesetzt werden. Der Schock war bei allen Beteiligten groß, als Anfang Juni Marawi von islamistischen Rebellen besetzt, Kirchen zerstört, Priester und andere entführt wurden. Auf Mindanao sind in letzter Zeit leider verstärkt Gruppen aktiv, die vom Ausland gesteuert werden. Der Islamische Staat hat sich zu den Vorfällen in Marawi bekannt. Er will damit den Friedensprozess auf Mindanao torpedieren, um selbst die Alleinherrschaft zu übernehmen.

Gibt es seither noch mehr Bemühungen zum Dialog?
Ich habe mich mit Verantwortlichen im Friedensprozess auf Mindanao getroffen. Darunter sind auch ehemalige Rebellenkämpfer. Alle wollen jetzt schneller vorangehen und auch den Druck auf die Regierung verstärken, damit der Friedensvertrag schnell unterzeichnet wird. Wenn er erst einmal in Kraft ist, kann dies ein starkes Zeichen dafür sein, dass sich die verschiedenen Seiten nicht mehr entzweien lassen. 

Der Krieg gegen die Drogen und die Vorfälle auf Mindanao sind Vorgänge, die eigentlich nur die Philippinen betreffen. Was kann man da von Deutschland aus überhaupt tun?
Uns ist es wichtig, den Menschen auf den Philippinen zu zeigen, dass es uns nicht egal ist, wie es ihnen geht. Als Deutsche Bischofskonferenz haben wir uns zusammen mit der Philippinischen Bischofskonferenz auch gegen die Wiedereinführung der Todesstrafe ausgesprochen. Insgesamt versuchen wir die Politik in Deutschland für die Philippinen zu sensibilisieren. Internationaler Druck kann sehr hilfreich sein, die sozialen Missstände und die Menschenrechtsverletzungen zu beseitigen. Schließlich geht es auch darum, dass wir als katholische Kirche soziale Projekte auf den Philippinen finanziell unterstützen, die auch den Dialog im Süden voranbringen. Die Hilfswerke Misereor, missio und andere tun da seit Jahren sehr viel.

Das Gespräch führte Katja Dorothea Buck.

erschienen in Ausgabe 8 / 2017: Wenn die Seele krank ist

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