Aschram in Indien

Das Vermächtnis des verehrten Vaters

Gruppenbild mit Gandhi: Schon in der Grundschule lernen die Kinder in Indien das Erbe des Freiheitskämpfers kennen.
Mahatma Gandhi hat sich sein Leben lang für religiöse Toleranz und ein harmonisches Zusammenleben starkgemacht. Der Sabarmati-Aschram in Ahmedabad pflegt sein Erbe. Das ist in Indien heute wichtiger denn je.

Regungslos sitzt der Vater der Nation auf der Wiese, die Augen zur Meditation geschlossen. Der Strom von Besuchern scheint ihn nicht zu stören, auch nicht, als eine Horde quirliger Grundschulkinder ihn so eng umzingelt, dass nur noch sein kahler Kopf auszumachen ist. Zwei Mädchen haben auf dem Schoß der Bronzestatue Mahatma Gandhis Platz genommen, ein Junge streicht ihm über den Kopf. Die Lehrerin sortiert ihre Schützlinge zum Gruppenfoto. „Wer ist dieser Mann?“, fragt sie. „Bapujiii!“, rufen die Schüler im Chor, „unser verehrter Vater!“. So wird Gandhi in Indien bis heute genannt.

Jeden Tag besuchen Hunderte Familien, Tagestouristen und Schulklassen den Sabarmati-Aschram im Norden von Ahmedabad, der Hauptstadt des westindischen Bundesstaats Gujarat. Der Aschram, der 2017 sein hundertjähriges Bestehen beging, beherbergt heute ein Museum, in dem der Werdegang Gandhis nachgezeichnet wird – vom schüchternen Jurastudenten zum pazifistischen Anführer des Kampfes um die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Kolonialmacht. Und er ist Sitz zahlreicher Hilfsorganisationen, die Gandhis Erbe weiterführen, indem sie Arme unterstützen und sich für mehr Gerechtigkeit einsetzen.

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erschienen in Ausgabe 3 / 2018: Kunst und Politik: Vom Atelier auf die Straße

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