Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit

Fortschritte im fairen Banking

Der Fair Finance Guide hat zum dritten Mal die ethischen Standards deutscher Banken untersucht. Die Großbanken kommen etwas besser weg – scheitern aber immer noch an ihren eigenen Ansprüchen.

Mit dem eigenen Geld indirekt Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung unterstützen, will vermutlich kein Anleger. Da das Bankengeschäft jedoch undurchsichtig ist und viele Verbraucher nicht wissen, was mit ihrem Geld passiert, veröffentlicht ein Zusammenschluss internationaler zivilgesellschaftlicher Organisationen seit einigen Jahren einen Leitfaden: Der Fair Finance Guide gibt Auskunft, ob die Geschäftspraktiken der überprüften Banken mit ihren freiwilligen Selbstverpflichtungen zu Menschenrechten und Umweltschutz übereinstimmen.

Die Ende Mai veröffentlichte dritte Überprüfung von 13 großen deutschen Banken zeigt, dass es bei sechs deutliche Verbesserungen bei sozialen, ökologischen und menschenrechtlichen Standards gibt. Die Deutsche Bank bekennt sich etwa zu strengeren Auflagen bei Geschäften mit der Rüstungsindustrie, die LBBW (Landesbank-Baden-Württemberg) schließt Investitionen in Kohleprojekte zumindest teilweise aus, und die Commerzbank lehnt neuerdings die finanzielle Unterstützung von Fracking ab. Trotzdem investiert die Hälfte der Banken weiter in umstrittene Unternehmen, auch wenn ihre ökologischen und sozialen Selbstverpflichtungen anders lauten.

GLS-Bank und Ethikbank liegen vorne

Für eine Bewertung analysiert der Fair Finance Guide die Nachhaltigkeitsrichtlinien der Banken anhand von 250 Einzelkriterien zu etwa einem Dutzend sozialen und ökologischen Themen und erstellt Fallstudien zu einzelnen Geschäften. Ausschlaggebend für die Bewertung sind etwa die Menschenrechte, Investitionen in Rüstung und fossile Brennstoffe sowie Steuervermeidung und die Verwicklung in Korruptionsaffären – sowohl von Klienten als auch der Bank selbst. Nach der Auswertung erhält jede Bank eine Bewertung zwischen 0 und 100 Prozent, die Auskunft gibt, wie stark die Geschäfte und Investitionen mit der Selbstverpflichtung auf Öko- und Sozialstandards übereinstimmen.

Fair Finance Guide
Klarer Sieger des diesjährigen Rankings sind die GLS-Bank und die Ethikbank mit Werten um die 95 Prozent, die Commerzbank liegt bei 39 Prozent, die Deutsche Bank bei 33 Prozent und die Postbank bei 28 Prozent. Die zwei Kirchenbanken der Stichprobe, die katholische Pax-Bank sowie die evangelische KD-Bank, landen im Mittelfeld und haben sich im Vergleich zu den Ergebnissen von 2016 verbessert. Die Sparkasse Köln-Bonn schneidet mit null Prozent am schlechtesten ab, weil sie auch auf Nachfrage der Fair-Finance-Initiative keine Informationen zur Verfügung gestellt hat.

Antje Schneeweiß, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Südwind-Institut, das am Fair Finance Guide beteiligt ist, kritisiert, dass die Nachhaltigkeit bei Banken trotzdem häufig zu kurz komme. Ein Beispiel dafür seien etwa die Nahrungsmittelspekulationen der Deutschen Bank. Die machten zwar nur einen kleinen Teil ihrer Geschäfte aus – für einen Bauern in einem Entwicklungsland könnten solche Spekulationen jedoch existenzbedrohende Konsequenzen haben.

Zweifelhafter Nachhaltigkeits-Fonds der Pax Bank

Auch der Warburg-Pax-Nachhaltig-Global-Fonds der Pax-Bank steht in der Kritik. Er soll in Wertpapiere von acht Rohstoffunternehmen investiert haben, denen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung vorgeworfen werden. Das steht im starken Kontrast zu den versprochenen Geschäftspraktiken: Die Pax-Bank bewirbt den Fonds damit, er entspreche den eigenen Nachhaltigkeitskriterien sowie christlichen Werten.

2018 gilt eine Berichtspflicht für Banken ab einer bestimmten Größe: Die Geldinstitute müssen nach neuem EU- und Bundesrecht schriftlich Stellung nehmen, inwieweit ihre Geschäfte ökologische und sozialen Standards entsprechen. Die Fair-Finance-Guide-Initiative bemängelt aber, dass unklar sei, was die Banken als wesentlich genug erachten, um darüber zu berichten. Denn das neue Gesetz macht keine detaillierten inhaltlichen Vorgaben, sondern nennt nur nur Themen. Im Zweifelsfall könnten sie sich Banken sich auf das Bankgeheimnis beziehen, dass sie zur Verschwiegenheit gegenüber Kreditnehmern verpflichtet.

Man gehe davon aus, dass der Fair Finance Guide nur „ein Fragment von dem, was wirklich passiert“,  offenlegen könne, sagt die Projektleiterin von Fair Finance Guide Deutschland, Sarah Guhr. Und Thomas Küchenmeister, der geschäftsführende Vorstand von Facing Finance ergänzt, die Nachhaltigkeitsabteilungen gehörten meist zum Bereich des Marketing und entpuppten sich oft als Papiertiger.

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