Verlässliche Partnerschaften

Was gehört heute, angesichts der globalen Wirtschafts-, Klima- und Ernährungskrise, zur entwicklungspolitischen Verantwortung der Kirchen? Dieser Frage war ein internationales Symposium gewidmet, das der Evangelischer Entwicklungsdienst (EED) aus Anlass der Verabschiedung seines Vorstandsvorsitzenden Konrad von Bonin im Februar in Bonn ausgerichtet hat.

Vier Vertreter von Partnerorganisationen hatte der EED dazu auf das Podium eingeladen. Sie waren sich darin einig, dass die kirchliche Entwicklungsarbeit weiterhin unabhängige soziale Organisationen unterstützen sollte, die sich für Entwicklung und sozialen Wandel an der Basis einsetzen und das herrschende Entwicklungsmodell hinterfragen. Das sei auch in Schwellenländern nötig, erklärte Eliana Rolemberg von CESE (Ökumenische Koordination der Dienste) aus Brasilien. Trotz des Wirtschaftswachstums und der Sozialprogramme der Regierung sinke die krasse Ungleichheit kaum, soziale Mobilisierung sei weiter nötig. Für politische Schritte zur Eindämmung des Klimawandels werde die Aufklärung unter der Bevölkerung und die ökumenische Zusammenarbeit zwischen Nord und Süd wichtiger. Für Neelima Khetan von der nordindischen Entwicklungsorganisation Seva Mandir ist der Klimawandel das klarste Symptom dafür, dass das herkömmliche Konzept von Entwicklung am Ende ist. Die Einschränkung der Emissionen und ein anderer Umgang mit Wasser und Wäldern setze voraus, dass Menschen als Bürger handelten statt nur als Konsumenten und Wettbewerber auf dem Markt. Dazu könnten Kirchen beitragen.

Laut Sam Kobia, dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, haben 30 Jahre Entwicklung in Afrika wenige Reiche und unzählige Arme erzeugt und den Zusammenhalt von Gemeinschaften untergraben. Der Kenianer befürchtet in Afrika zunehmende Konflikte um natürliche Ressourcen und sieht eine besondere Verantwortung Kirchen darin, diese im Vorfeld zu erkennen und ihnen vorzubeugen. Konrad von Bonin betonte, dass verlässliche und langfristige Partnerschaften ein wesentliches Merkmal der kirchlichen Entwicklungsarbeit seien. Der Einsatz kirchlicher Werke für Gerechtigkeit sei stets politisch, werde aber - auch in der Zusammenarbeit mit nicht christlichen Partnern - von gemeinsamen Werten getragen.

Konrad von Bonin hatte 2000 kurz nach der Gründung des EED den Vorsitz von dessen Vorstand übernommen. Der promovierte Jurist war zuvor unter anderem Studienleiter und zeitweise kommissarischer Generalsekretär beim Deutschen Evangelischen Kirchentag. Er verlässt das Werk in einer Zeit des Übergangs: vor der Fusion mit dem Diakonischen Werk der EKD. Daher hat er keinen Nachfolger als Vorstandsvorsitzender. Von Bonin habe in der Arbeit des EED Armutsbekämpfung, Gerechtigkeit sowie Partnerschaften auf Augenhöhe ins Zentrum gerückt, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, bei der Abschiedsfeier in Bonn. (bl)

 

erschienen in Ausgabe 3 / 2009: Südafrika: Neue Freiheit, alte Armut
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