Ambazonien
Den Rebellen fehlen moderne Waffen. Dafür sollen mehrere Amulette und Zaubermittel sie im Kampf mit der Armee beschützen.
Ambazonien

Rebellen, die auf Magie vertrauen

Sie tragen Flip-Flops statt Stiefel und schießen mit alten Flinten: ein Besuch bei den Kämpfern für einen neuen Staat Ambazonien in den englischsprachigen Gebieten Kameruns.

Abang war Bauer und Elektriker – bis Soldaten sein Dorf zerstörten und seine drei Brüder töteten. Heute ist er einer von Hunderten Männern der englischsprachigen Minderheit Kameruns, die mit Jagdgewehren und magischen Amuletten für einen neuen, eigenen Staat kämpfen, den sie Ambazonien nennen. Abang ist Mitte 30, groß und beugt sich im Sitzen leicht nach vorne. Er wirkt freundlich und lacht gerne. Doch wenn er über die Ungerechtigkeit spricht, die ihn gezwungen hat, zur Waffe zu greifen, wird er ernst. „Mir ist es egal, ob ich getötet werde“, sagt Abang. „Ich bin bereit, mein Leben zu opfern.“

Die Forderungen der anglophonen Minderheit Kameruns nach mehr Selbstbestimmung gehen zurück bis ins Jahr 1961. Damals wurden die vormaligen britischen und französischen Kolonialgebiete zu einem afrikanischen Staat verschmolzen. Offiziell besitzt Kamerun zwei Amtssprachen, aber Französisch wird stark bevorzugt. Ein Sechstel der Bevölkerung lebt laut Statistik in den beiden anglophonen Regionen. Doch für die angesehensten öffentlichen Bildungseinrichtungen und Universitäten kann man sich nur auf Französisch bewerben – und nur sie bieten Zugang zu den begehrten Stellen im Staatsdienst.

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erschienen in Ausgabe 10 / 2018: Privates Geld gesucht

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