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Damals noch Hand in Hand: Präsident José Eduardo dos Santos (links) unterstützt Mitte 2017 in Luanda seinen späteren Nachfolger João Lourenço im Wahlkampf. 
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Vatermord in Angola

Der neue Präsident kommt aus dem Apparat der seit 1975 herrschenden Partei. Dennoch lässt er systematisch die Familie seines Vorgängers wegen Korruption verfolgen. Was bezweckt er damit?

Die Bühne steht am Fuße des Mausoleums zu Ehren von Agostinho Neto, des ersten angolanischen Staatspräsidenten: Hier wird am 26. September 2017 der 63-jährige João Lourenço als dritter Präsident der Republik Angola vereidigt. Sein Vorgänger José Eduardo dos Santos hat seit September 1979 38 Jahre das Land regiert. Als nun Lourenço die Macht übernimmt, deutet alles darauf hin, dass er dessen Linie weiterführen wird.

Lourenço ist ein Produkt des politisch-militärischen Apparats der angolanischen Volksbefreiungsbewegung MPLA, jener Partei, die seit der Unabhängigkeit im Jahr 1975 an der Macht ist. Er absolvierte zunächst eine militärische Ausbildung, die ihm Anfang der 1980er Jahre den Rang eines Generals brachte. Dann erklomm er die Karriereleiter in der Partei, deren Generalsekretär er 1998 wurde. 2003, als Präsident dos Santos das Gerücht eines möglichen Rücktritts gestreut hatte, bekundete Lourenço öffentlich sein Interesse am Präsidentenamt – und verschwand zur Strafe dafür, dass er dem damaligen Herrscher in die Quere kommen wollte, für rund zehn Jahre von der politischen Bühne. Im Jahr 2014 trat er wieder in den höchsten Machtzirkel ein: Er wurde Verteidigungsminister, Ende 2016 Spitzenkandidat der MPLA für die Wahl im August 2017 und übernahm schließlich die Macht.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2018: Mehr als Reis und Weizen

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