Südafrikas Kirchen
Südafrikas Kirchen

„Das Christentum ist kein westliches Konzept“

Südafrikas Kirchen plädieren für einen eigenen afrikanischen Entwicklungsweg, meint Ndangwa Noyoo.

###bild-1-31###Herr Noyoo, die Kirchen waren wichtige Stimmen im Kampf gegen die Apartheid. Wie sieht das heute aus?
Die Kirchen sind ein wichtiger Partner für Graswurzelorganisationen, für die Bewusstseinsbildung und die Verbesserung der Lebensqualität von Benachteiligten in Südafrika. Das gilt aber nicht nur für die christlichen Konfessionen. Wir haben in Südafrika auch eine sehr engagierte liberale muslimische Community. Andere Religionsgemeinschaften wie zum Beispiel Hindus setzen sich ebenfalls für ein besseres Leben der Armen ein. Alle diese Glaubensgemeinschaften erfüllen ihre traditionelle Funktion als spiritueller Anker für viele Menschen und spielen zudem eine wichtige Rolle für die Entwicklung Südafrikas.

Welche Themen treiben die Kirchen vor allem um?
Sie halten der südafrikanischen Gesellschaft einen Spiegel vor, wenn das Land droht, auf Abwege zu geraten. Das war etwa unter Staatspräsident Jacob Zuma von 2009 bis 2018 der Fall, als Korruption und Selbstbereicherung der politischen Klasse überhandnahmen. Zu den besonders wichtigen Stimmen gehört Thabo Makgoba, der anglikanische Erzbischof von Kapstadt. Er hat im Jahr 2017 öffentlich kritisiert, führende Politiker des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) seien korrupt, und forderte in seiner Weihnachtspredigt, Zuma als Staatspräsidenten abzulösen. Ähnlich wie Makgoba hat auch Desmond Tutu, der ehemalige anglikanische Erzbischof von Kapstadt, die Regierenden des ANC mehrfach scharf kritisiert.

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erschienen in Ausgabe 4 / 2019: Erde aus dem Gleichgewicht

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