Generika in Entwicklungsländern
Alejandro Gaviria war bis 2018 Kolumbiens Gesundheits­minister und hat Novartis Preis­senkungen für Glivec abgetrotzt. Raveendran/afp/getty images;  
Generika in Entwicklungsländern

Streit um Patente: Fortsetzung folgt

Überteuerte Medikamente belasten die Gesundheitssysteme vieler Entwicklungsländer. Kolumbien hat den Kampf mit der Pharmalobby aufgenommen und erste Erfolge erzielt.

Yeisson Ramírez ist 23 und Verwaltungsangstellter, der 18-jährige Jhonny Vásquez ist Nachwuchsfußballer, die 45-jährige Noralba Moncada ist alleinerziehende Mutter. Allen drei Kolumbianern ist gemeinsam, dass sie Leukämie haben und im Zentrum eines Kampfes stehen, in dem es um Ethik und Profit, staatliche Gesundheitssysteme und private Gewinne geht und um die Frage, wie viel ein Menschenleben wert ist. Kontrahenten sind der Staat Kolumbien und der Schweizer Pharmakonzern Novartis. Setzt sich der Staat Kolumbien durch, könnte das international Signalwirkung haben und eine Reform der Gesundheitssysteme Lateinamerikas anstoßen.

Die Auseinandersetzung begann im Jahr 2014, als  eine Gruppe nichtstaatlicher Organisationen um die gemeinnützige Stiftung Ifarma, die sich für Qualität und Zugang zu Medikamenten einsetzt, und die Nationale Universität von Kolumbien beim Gesundheitsministerium  beantragte, Generika zur Behandlung von Leukämie zuzulassen. Denn auf das von Novartis vertriebene Medikament Glivec mit dem patentierten Wirkstoff Imatinib gab es in Kolumbien ein Monopol, so dass die Kosten dafür die überwiegend staatlich finanzierten Krankenkassen schwer belasteten. Die Behandlung damit schlug laut den Antragstellern pro Patient jährlich mit 13.000 Euro zu Buche, dem Doppelten des jährlichen Pro-Kopf-Einkommens. Die Herstellungskosten für eine jährliche Dosis betragen laut Expertenschätzungen 159 US-Dollar. Rund 3200 Leukämie-Patienten sind in Kolumbien registriert.

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erschienen in Ausgabe 6 / 2019: Arznei und Geschäft

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