Familienplanung
Familienplanung

Weniger Geld, mehr Abtreibungen

Wenn die US-Regierung die Entwicklungshilfe für Familienplanung kürzt, steigt in Afrika die Zahl der Abtreibungen, warnen Forscher in einer neuen Studie.

Zwischen 1995 und 2014 hat sich die Zahl der Abtreibungen in Ländern südlich der Sahara immer dann erhöht, wenn die sogenannte Mexico City Policy der US-Regierung, auch bekannt als Global Gag Rule, in Kraft war. Sie sieht vor, jenen Hilfsorganisationen die Gelder zu streichen, die Familienplanung fördern und dabei auch über Abtreibungen informieren oder sie anbieten. Das Ziel dahinter: Die Organisationen sollen unter Druck gesetzt werden, damit die Zahl der Abtreibungen sinkt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das hat eine Studie von „The Lancet Global Health“ ergeben, die zwischen 1995 und 2014 die Zahl der Abtreibungen, der ungewollten Schwangerschaften sowie Methoden zur Empfängnisverhütung in 26 Ländern südlich der Sahara untersucht hat. Über den Zeitraum von 20 Jahren wurden insgesamt mehr als 740.000 Frauen nach dem Ausgang ihrer Schwangerschaft befragt.

1984 wurde die Mexico City Policy unter dem republikanischen US-Präsident Ronald Reagan erstmals eingeführt, der demokratische Präsident Bill Clinton setzte sie 1993 außer Kraft, George W. Bush verankerte sie 2001 wieder, Barack Obama setzte sie 2009 wieder außer Kraft – und zuletzt hat Donald Trump sie wieder eingesetzt und verschärft. Unter seiner Politik werden sämtlichen Organisationen, die im Gesundheitsbereich tätig sind, die Gelder gestrichen, wenn sie die Richtlinie nicht unterschreiben oder nur im entferntesten etwas mit Schwangerschaftsabbrüchen zu tun haben.

Durch unsichere Abtreibungen steigt Müttersterblichkeit

Besonders in den Ländern, in denen die Frauen stark auf die Förderung durch Hilfsorganisationen angewiesen sind, hatte die Mexico City Policy Auswirkungen: Hatten die Organisationen weniger Geld zur Verfügung, konnten sie auch weniger moderne Verhütungsmittel bereitstellen. Dieser Rückgang hatte einen Anstieg von ungeplanten Schwangerschaften und vor allem unsicheren Abtreibungen zur Folge. Die Forscher warnen davor, dass durch jene Abtreibungen, die von nicht qualifizierten Medizinern durchgeführt werden, auch die Müttersterblichkeit zunimmt.

Umgekehrt sind laut der Studie  die Abtreibungen zurückgegangen, immer wenn die Global Gag Rule nicht in Kraft war. Die Forscher haben auch festgestellt, dass andere Länder oder private Spender versuchen, das gestrichene Geld für die Hilfsorganisationen aufzubringen. Eine wichtige Strategie sei es, den Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln zu ermöglichen, um ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. (mek)

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