Indonesien
Gemeinsam weinen im Namen Gottes und des Propheten Mohammed – das Sufi-Ritual wird hier von Muslimen auf der Insel Java praktiziert.    
Indonesien

Welcher Islam gibt den Ton an?

Indonesien gilt als liberaler muslimischer Musterstaat. Doch konservative Einflüsse nehmen zu. Das ist auch eine paradoxe Folge der Demokratisierung und wachsender religiöser Konkurrenz.

Noch vor wenigen Jahren galt der indonesische Islam im internationalen Vergleich als gemäßigt. Inzwischen gewinnen strenge, ja reaktionäre Deutungen dieser Religion an Einfluss. Dazu tragen Einflüsse aus arabischen Ländern bei, aber auch die zahlreichen Wahlkämpfe, in denen konkurrierende Parteien und gesellschaftliche Organisationen die Religion politisch nutzen.

Nach Ansicht vieler Beobachter haben in Indonesien Traditionen der Religionsvermischung, etwa unter dem jahrhundertelangen Einfluss indischer Religionen, sowie die ethnische und kulturelle Vielfalt eine gewisse Toleranz erforderlich gemacht. Zudem ist die offizielle Staatsdoktrin seit der Unabhängigkeit des Landes die Pancasila („Fünf Säulen“); die Anhänger dieser fünf Prinzipien konnten sich in der verfassunggebenden Versammlung 1945 gegen die Verfechter eines islamischen Staates durchsetzen. Eines der Prinzipien erkennt mehrere (mittlerweile sechs) Religionen als gleichberechtigt an. Dabei ist eine Religion offiziell definiert durch einen Propheten, ein heiliges Buch, eine Gottheit und dadurch, dass sie international anerkannt ist. Indonesiens Verfassung ist also nicht säkular, aber in Glaubensfragen relativ offen.

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erschienen in Ausgabe 9 / 2019: Mission und Macht

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