Armutsforschung
Esther Duflo und ihr Mann Abhijit Banerjee.
Armutsforschung

Nobelpreis für kaum überraschende Erkenntnisse

Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michael Kremer haben den Wirtschafts­nobelpreis für ihre Arbeit in der Armutsforschung bekommen. Doch der Sinn und die Aussagekraft der von ihnen entwickelten Feldstudien ist zweifelhaft.

Als ich Anfang der 1990er Jahre Wirtschaftswissenschaft studierte, kam in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit eine neue Idee auf: Man begann, sogenannte randomisierte kontrollierte Feldstudien (RCTs) durchzuführen, um die Wirksamkeit von Armutsbekämpfungsprogrammen empirisch zu überprüfen. Die Methode arbeitet mit Kontrollgruppen und war schon lange aus der medizinischen Forschung bekannt.

Eine der ersten Studien beschäftigte sich damit, wie sich der Einsatz von Medikamenten gegen parasitäre Würmer auf den Schulbesuch von Kindern auswirkt. Dabei wählten die Forscher Schulen, in denen die Mittel angewandt wurden, nach dem Zufallsprinzip aus und verglichen die Ergebnisse mit benachbarten Schulen, in denen die Schülerinnen und Schüler nicht behandelt wurden. Ähnlich wurde seither erforscht, was zusätzliche Lehrkräfte in einem Klassenraum oder die Überwachung ihrer Anwesenheit mit Kameras bringen. In anderen Studien ging es darum, was der Zugang zu Bank- oder Mikrofinanzkrediten bewirkt, oder wie bestimmte Aufrufe von Kandidaten und Kandidatinnen in Wahlkämpfen das Wählerverhalten beeinflussen.

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erschienen in Ausgabe 12 / 2019: Armut: Es fehlt nicht nur am Geld

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