In eigener Sache
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Sehr gut, doch gern noch kritischer

Die Leserbefragung gibt wichtige Hinweise, „welt-sichten“ weiter zu verbessern. Wieder einmal wollten wir wissen, inwieweit unser Magazin den Erwartungen von Leserinnen und Lesern entspricht. Ziemlich gut, lautet kurz gefasst das Ergebnis der Befragung von Ende 2019.

Diesmal sind deutlich weniger Fragebögen zurückgekommen als bei der vorigen Befragung im Jahr 2013. Erneut haben aber die, die geantwortet haben, nicht nur Kreuzchen gemacht, sondern uns viele unterschiedliche Kommentare und Anregungen geschrieben. Dafür bedanken wir uns sehr. 

Auffällig ist, wie sehr die Erwartungen aus der Leserschaft an uns sowie die Bewertung der Zeitschrift den Ergebnissen aus 2013 ähneln. So erwarten über 90 Prozent von „welt-sichten“, dass es vernachlässigte Themen und Länder aufgreift und Stimmen aus dem Süden zu Wort kommen lässt. Je drei Viertel möchten, dass wir klar Stellung nehmen, dass wir gegensätzlichen Ansichten Platz bieten und dass wir wissenschaftliche Debatten zur globalen Entwicklung verfolgen. 

Im Durschnitt Schulnote zwei

Welche Heftteile werden gelesen? Im Grunde alle, am meisten aber die Schwerpunkte und die „Welt-Blicke“ (von jeweils über 90 Prozent der Befragten), dicht gefolgt von Kommentaren. Am wenigsten Fans haben Rezensionen, die lesen drei von fünf Befragten. Alle Heftteile werden als gut bewertet – Schulnote zwei –, die Schwerpunkte und Welt-Blicke ein bisschen besser.

Autor

Bernd Ludermann

ist Chefredakteur von "welt-sichten".
Unsere Texte sind den Befragten weder zu lang noch zu kurz und werden insgesamt als eher tiefgehend, aber auch als eher gut verständlich empfunden. Das freut uns, weil wir viel Arbeit in die Auswahl und Aufbereitung von Texten stecken. Noch ein bisschen besser kommt die grafische Gestaltung an: Übersichtlich, ungefähr die richtige Menge an Fotos und Grafiken, und die sind meist gut, lautet das Urteil aus der Befragung.

Das freut uns natürlich, sagt aber wenig darüber aus, was wir besser machen sollten. Das findet sich eher in den Antworten auf die Frage, welche Themenfelder mehr und welche weniger behandelt werden sollten. Viele – darunter soziale Gerechtigkeit, Weltwirtschaft, Demokratie, Krieg und Frieden – greifen wir nach Ansicht von mindestens zwei Dritteln der Lesenden im richtigen Umfang auf. Doch manches wird mehr gewünscht. Das gilt am stärksten für Berichte über Fortschritte und gelungene Veränderungen – 42 Prozent möchten das öfter lesen –, gefolgt von Kultur und Alltag im Süden, Berichten über einzelne Länder, über entwicklungspolitische Debatten sowie über globale Umweltfragen (32 Prozent). 

Berichte über die Rolle von Religion in der Gesellschaft

Und worüber berichten wir zu viel? Ein Drittel findet: über internationale Institutionen; fast die Hälfte sagt: über christliche Kirchen und ihre Tätigkeit. Hier ist unsere Leserschaft gespalten. Von den nicht religiös­ Gebundenen – laut der Befragung ein gutes Viertel – möchten über 80 Prozent dazu weniger lesen, von den religiös Gebundenen hingegen wünschen zwei Drittel so viele Artikel dazu wie jetzt oder – immerhin ein Fünftel – noch mehr. Dass wir die Rolle von Religionen in Gesellschaft und Politik betrachten, wünscht jedoch die Mehrheit in beiden Gruppen. Hier sehen wir eine Stärke von „welt-sichten“, die wir pflegen wollen.

Von den zahlreichen erwähnten Kommentaren bestätigen viele das Bild. Ein paarmal werden etwa Berichte über Lösungsansätze und innovative Ideen gewünscht. Einige Lesende möchten mehr Distanz zu christlichen Kirchen, andere mehr Empathie ihnen gegenüber. 

Mehr Wachstumskritik und mehr Geschlechterfragen

Am häufigsten tauchen aber Mahnungen auf, wir sollten noch kritischer auf die Entwicklungszusammenarbeit blicken – auch auf die nichtstaatliche – und mehr analysieren, was hier funktioniert und was nicht. Ein paarmal werden wir aufgefordert, kritischer über Weltwirtschaft, globalen Handel oder den „Raubtierkapitalismus“ zu berichten und Wachstumskritik mehr aufzugreifen. Weitere Hinweise sind, Geschlechterfragen mehr zu beachten und Kultur stärker in den Blick zu nehmen. Alle diese Hinweise werden wir uns zu Herzen nehmen.

Bleibt die Frage, ob Leserinnen und Leser des Magazins auch unsere Onlineangebote nutzen. Wie wenig sie das tun, hat uns ein bisschen überrascht: 80 Prozent nutzen sie nie, über 90 Prozent beziehen der Umfrage zufolge den kostenlosen Newsletter „welt-sichten weekly“ nicht. Nicht überraschend ist da, dass fast alle das Heft weiter in gedruckter Form haben möchten. Da können wir beruhigen: Es ist nicht geplant, den Druck einzustellen.

Zugleich wächst die Zahl der Nutzer unserer Webseite: Onlineleserinnen und -leser sind zu einem wichtigen Teil unseres Publikums geworden. Wir müssen also nicht nur das Heft weiter verbessern, sondern auch die Onlineangebote ausbauen. Sie können uns helfen: Schicken Sie uns Anregungen, Kommentare und Kritik – und empfehlen Sie uns weiter, egal in welcher Form.
 

erschienen in Ausgabe 4 / 2020: Willkommen – oder nicht?

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