Berichte über 50 Tote bei Unruhen in Äthiopien

Bei gewaltsamen Unruhen sind in Äthiopien laut BBC 50 Menschen umgekommen. Die Polizei hat einen oppositionellen Medienunternehmer festgenommen, der an den Protesten nach dem Tod eines politischen Sängers teilnahm.

Genf/Addis Abeba (epd). Bei den Unruhen der vergangenen Tage in Äthiopien sind laut einem BBC-Bericht 50 Menschen ums Leben gekommen. Zudem seien 35 Demonstranten festgenommen worden, berichtete der britische Rundfunksender am Mittwoch unter Berufung auf eine staatliche Quelle. Unter ihnen ist auch Jawar Mohammed, ein Medienunternehmer und Oppositioneller. Die Büros seines Fernsehsenders, des Oromia Media Network, wurden durchsucht.

Den Festnahmen waren gewaltsame Ausschreitungen in der Hauptstadt Addis Abeba und der umgebenden Region Oromia vorausgegangen. Tausende Menschen zogen am Dienstag auf die Straßen, zündeten Regierungsgebäude an und stürzten Denkmäler. Die Zerstörungen seien immens, zitierte die BBC einen Regierungssprecher der Region. Einer Gruppe um Mohammed werfen die Behörden vor, eine Polizeiwache gestürmt und einen Beamten getötet zu haben.

Ursache der Auseinandersetzungen ist der Tod des politischen Sängers Hachalu Hundessa. Dieser war nach Behördenangaben am Montagabend in Addis Abeba ermordet worden. Er soll am Donnerstag beigesetzt werden. Zwei Tatverdächtige sind der Polizei zufolge mittlerweile verhaftet worden. Genaue Hintergründe sind unklar.

Kritik an Abiy Ahmed wächst

Hundessas Songs galten als "Soundtrack" der Oromo-Proteste, die 2018 zum Sturz der Regierung von Ministerpräsident Hailemariam Desalegn geführt und zur Amtsübernahme durch Abiy Ahmed geführt hatten. Inzwischen sind Abiy, selbst Oromo, und die Oromo-Bewegung entfremdet.

So kommen im Fernsehsender Jawar Mohammeds, einem früheren Verbündeten Abiys, zahlreiche Kritiker des Ministerpräsidenten zu Wort. Jawar wirft Abiy vor, sich zu wenig um die Belange der Oromo zu kümmern. Er spricht sich für eine Unabhängigkeit der Region aus.

Menschenrechtler kritisierten die Durchsuchung des Fernsehsenders und die Festnahme mehrerer Mitarbeiter. Diese müssten umgehend freigelassen werden, forderte das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) in einer Pressemitteilung.
 

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