Ruanda
Zum Jahrestag des Sieges über die Völkermörder 1994 marschiert 2019 in Kigali die Militärkapelle auf. Die Armee ist bis heute Präsident Kagame treu ergeben.  
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Die Armee als Entwicklungsmotor

Ruandas Präsident Paul Kagame hat Staat und Gesellschaft militarisiert. Oppositionelle sehen darin Anzeichen einer Militärdiktatur – doch in Krisen vertrauen viele Ruander auf die Streitkräfte.

Noch bevor Mitte März der erste Covid-19-Fall in Ruanda bestätigt war, hatte Ruandas Präsident Paul Kagame alle Geschütze aufgefahren und dem Coronavirus den „Krieg“ erklärt. Dazu militarisierte er mit einem einzigen Handstreich den Gesundheitssektor: Er ordnete das Gesundheitsministerium an, im Vorfeld der jährlichen geschlossenen Sitzung zur Lage der Nation alle 400 Regierungsmitglieder testen zu lassen, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch gar kein Corona-Fall in Afrika bekannt war. Laut Kagames Rede vor der Vollversammlung habe die damalige Gesundheitsministerin, die gelernte Kinderärztin Diane Gashumba, dem Präsidenten auf seine Direktive hin geantwortet, es gebe keinen Grund zur Besorgnis, Gebete würden helfen. Das kostete sie ihren Posten. 

Kagame krempelte nach ihrem Rauswurf das Gesundheitsministerium um: Daniel Ngamije, ein Arzt und langjähriger Koordinator des HIV- und Tuberkulose-Programms, wurde zum Gesundheitsminister erklärt, Oberstleutnant Mpunga Tharcisse, der bis dahin eine Klinik für Krebserkrankungen leitete, wurde zum Staatsminister für Gesundheit ernannt – ein klares Zeichen, dass von nun an das Militär im Kampf gegen Corona aufmarschiert. Das Militärkrankenhaus in Kigalis Stadtviertel Kanombe zählt zu den am besten ausgestatteten Kliniken Ruandas. Dort wurden alle Kapazitäten mobilisiert, um Covid-19-Patienten behandeln zu können.

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erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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