Hilfswerke
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Gute Bilanzen im Jahr vor Corona

Bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanzen haben die drei Hilfswerke Kindernothilfe (KNH), Christoffel-Blindenmission (CBM) und Misereor die Corona-Krise in den Mittelpunkt gestellt. Finanziell gesehen war 2019 für die Werke ein gutes Jahr. 

Die Kindernothilfe konnte ihre Erträge um 3,8 Millionen auf insgesamt 63,8 Millionen Euro steigern. Das geht vor allem auf die Erhöhung der Mittel aus dem Bundesentwicklungsministerium (BMZ) zurück. Vier Fünftel der Einnahmen kommen aber aus Spenden, die im Vergleich zum Vorjahr stabil geblieben sind. Mit Sorge betrachtet die KNH die Corona-Pandemie. „Die Folgen von Covid-19 treffen Kinder im globalen Süden besonders hart“, sagte Katrin Weidemann, die Vorstandsvorsitzende der KNH, bei der Vorstellung der Zahlen Mitte Juli in Duisburg. 

Auch die Christoffel-Blindenmission (CBM) machte die Corona-Pandemie zum Thema ihrer Bilanzpressekonferenz Ende Juni in Bensheim. Menschen mit Behinderungen seien eine „besonders gefährdete Risikogruppe. Sie leiden am meisten unter schlechter Gesundheitsversorgung und erhalten oftmals als Letze Hilfe“, sagte CBM-Vorstand Rainer Brockhaus. Weidemann und Brockhaus appellierten an ihre Spenderinnen und Spender, angesichts von Corona in ihrem Engagement nicht nachzulassen. Die CBM hat einen speziellen Corona-Hilfsfonds mit zwei Millionen Euro ausgestattet. Damit sollen die Verteilung von Essen, Schutzmasken und Desinfektionsmitteln sowie Hygieneschulungen und Informationen zum Virus in Brailleschrift und Gebärdensprache finanziert werden.
Die CBM hat im vergangenen Jahr Geldspenden in Höhe von 57,9 Millionen Euro erhalten, gut elf Prozent mehr als im Vorjahr. Weil Sachspenden von Medikamenten gegen Flussblindheit aus 2019 ins laufende Jahr verschoben wurden, sind die Gesamterträge für 2019 auf 196,2 Millionen Euro gesunken (Vorjahr: 288,9 Millionen Euro). 

Kaum Veränderungen bei den Einnahmen hat das katholische Entwicklungswerk Misereor zu verzeichnen. 2019 waren es insgesamt 232,3 Millionen Euro, 100.000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Einnahmen aus Spenden und Kollekten betrugen wie im Vorjahr 57 Millionen Euro. Die Zuwendungen aus BMZ-Mitteln lagen bei 166,3 Millionen Euro (2018: 165,5 Millionen). 

„Ohne globale Kooperation und Perspektiven werden wir im Zeitalter weltweiter Vernetzung scheitern“, sagte Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel Ende Juli in Berlin mit Blick auf die Folgen der Pandemie. In Lateinamerika wirke das Virus wie ein Brandbeschleuniger in den sozialen und ökologischen Krisen. Die Abholzung des Regenwaldes und politische Spannungen nähmen zu, einigen indigenen Gemeinschaften drohe ein Genozid. In Afrika seien die Folgen des Lockdown oft größer als die des Virus selbst, und in Asien nutzten einige Regierungen die Krise, um Menschenrechtsaktivisten zu verfolgen und Grundfreiheiten einzuschränken, sagte Spiegel.

erschienen in Ausgabe 9 / 2020: Die wahre Macht im Staat?

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