Vielen lieb gewordenen Ansichten geraten gerade ins Wanken. Eine ist, dass kühl rechnende Großinvestoren ihr Geld in Klimaschutz umleiten und den so vorantreiben. Dies hat niemand Geringerer als Larry Fink, Gründer und Chef des weltgrößten Investmentfonds BlackRock, auf dem Weltwirtschaftsforum 2020 versprochen. Seitdem gilt als Antrieb für den Übergang zu grünem Wirtschaften, dass Investoren ihn als riesige Renditechance begreifen.
Das erweist sich jetzt als Illusion. Auf dem Weltwirtschaftsforum 2026, das Larry Fink nun mit leitet, hat Klimaschutz nur eine Nebenrolle gespielt. Allianzen für Netto-Null-Investitionen, die seit 2020 entstanden waren, sind wieder zusammengebrochen – nicht nur weil Republikaner und rechte Lobbys in den USA dagegen Sturm liefen. Großbanken und Fonds hatten nie ernsthaft vor, ihr Geschäftsmodell zu ändern und auf Renditen aus der Finanzierung fossiler Industrien zu verzichten, bilanziert die New York Times. Auch viele Versprechen von Großunternehmen, darunter Digitalkonzerne, klimaneutral zu werden, haben sich als hohl erwiesen.
Großvermögen als Hindernis für Klimaschutz
Höchste Zeit, zu begreifen, dass gerade die Konzentration von Reichtum wirksamen Klimaschutz verhindert. Das ist eine Kernbotschaft des Berichts über Klima-Ungleichheit, den das World Inequality Lab (WIL) im Vorfeld des Klimagipfels Ende 2025 in Brasilien vorgelegt hat. Laut den Sozialwissenschaftlern entstehen 42 Prozent der globalen Emissionen beim Konsum, zum Beispiel beim Fliegen, Autofahren und Heizen; hiervon verursacht das reichste Hundertstel der Weltbevölkerung bereits 15 Prozent. Doch 58 Prozent der Emissionen entstehen in der Produktion, etwa in Fabriken, auf Baustellen und Äckern. Verteilt man die auf die Anteilseigner der beteiligten Firmen, dann sind nicht weniger als 41 Prozent davon dem reichsten Prozent der Menschheit anzurechnen – wegen ihrer Investitionsentscheidungen.
Über die Zahlen mag man streiten, aber die Botschaft ist richtig: Große Vermögen bedeuten Macht – nicht zuletzt die Macht, das künftige Energiesystem zu gestalten. Und die ist extrem konzentriert: Global besitzt laut WIL das reichste Zehntel fast drei Viertel aller Vermögen, und die winzige Gruppe von 56.000 Superreichen hat zusammen dreimal mehr als die gesamte ärmere Hälfte der Welt. Diese Elite hält an fossilen Gewinnen fest und sieht Klimaschutz als zusätzliche Anlage in rentable grüne Technik – am liebsten noch staatlich subventioniert.
Diese Art Klimaschutz macht Vermögende nur noch reicher, warnt das WIL und fordert zu Recht, grüne Infrastruktur stattdessen staatlich zu finanzieren. Für sozialverträglichen Klimaschutz muss man zudem die Marktmacht großer Konzerne begrenzen und riesige Vermögen teilweise umverteilen. Das ist eine politische Herkulesaufgabe – und für das Forum der Reichen und Mächtigen natürlich tabu.
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