Anfang Januar marschierte in Tansanias Wirtschaftsmetropole Daressalam eine Gruppe von 120 Katholiken lautstark zur Botschaft des Vatikans, um eine Petition gegen ihre eigenen Bischöfe beim katholischen Nuntius, dem Vertreter des Heiligen Stuhls in Tansania, abzugeben. Sie beschuldigen den Erzbischof von Daressalam, Jude Thaddaeus Ruwa’ichi, und den Sekretär der Tansanischen Bischofskonferenz (TEC), Charles Kitima, sich zu stark in die Politik des Landes einzumischen. Man werde im Namen von mehr als 120 Mitgliedern der katholischen Kirche eine Petition beim Papst einreichen, heißt es in einer Stellungnahme der Gruppe. Dieser solle die Positionen der beiden Geistlichen überprüfen.
Unterschrieben hat die Petition unter anderem Lucy Michael, eine Führungsfigur in der Jugendorganisation der Regierungspartei Revolutionary Party (CCM). Allein das deuten viele lokale Kommentatoren als Hinweis darauf, dass hinter der Petition eigentlich die Regierung von Präsidentin Samia Suluhu Hassan steckt. Sie hatte Anfang Dezember 2025 die religiösen Führer in Tansania gewarnt, nicht mit politischen Predigten die Gesellschaft zu spalten.Sie sollten sich auf ihre spirituelle Rolle konzentrieren und nicht „Hass säen“.
Bischöfe kritisieren die Regierung von Samia Suluhu Hassan
Ruwa’ichi und Kitima gehören in Tansania zu den schärfsten Kritikern der Regierung Suluhu Hassan. Sie werfen ihr vor, ein repressives politisches Klima zu schaffen, und fordern seit langem, die Regierung solle alle zur Rechenschaft ziehen, die hinter Entführungen und Angriffen auf Geistliche stehen. Seit dem Amtsantritt von Suluhu Hassan 2021 haben sich solche Vorfälle gehäuft, die Tanganyika Law Society nennt mehr als hundert bis Ende 2025. Charles Kitima ist im April 2025 selbst von Unbekannten angegriffen und schwer verletzt worden. Der Fall ist nach wie vor nicht aufgeklärt.
Nach der blutigen Niederschlagung von Protesten im Zusammenhang mit den Wahlen Ende Oktober 2025 war auch international die Kritik an der Regierung laut geworden. Sicherheitskräfte hatten dabei auf Protestierende geschossen, die das Wahlergebnis als anzweifelten. Amnesty International geht von über hundert Toten aus; Fachleute der UN schätzen die Zahl der Opfer auf über 700. Nach Auffassung der Wahlbeobachtermission der Afrikanischen Union hatten die Wahlen nicht den internationalen Standards von Transparenz und Fairness entsprochen.
Kirchen verurteilen den exzessiven Einsatz von Gewalt gegen Protestler
Nicht nur die katholische Kirche, zu der etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört, verurteilte das Vorgehen der Sicherheitskräfte scharf. Auch die andere große Kirche im Land, die Lutherische Kirche in Tansania (ELCT), prangerte den exzessiven Einsatz von Gewalt an und rief die Regierung auf, für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht zu sorgen. Für den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) stellten die Tötungen, Verhaftungen und Zerstörungen „eine beispiellose moralische und humanitäre Krise für das Land“ dar. Auch der Rat der Imame in Tansania hatte die Gewalt scharf kritisiert.
Erzbischof Ruwa'ichi bezeichnet die Petition als „unkatholisch und töricht“. Die Gruppe der 120 spreche nicht für die Kirche. „Ein wahrer Katholik kämpft nicht gegen Priester, die Leben und Gerechtigkeit verteidigen. Diese Leute sind nichts als Handlanger.“ Die Vatikan-Botschaft in Tansania hat sich bisher nicht geäußert.
Dafür wird in lokalen und sozialen Medien viel über diese Initiative diskutiert. Einige warnen die Kirche davor, sich zu stark in die Politik hineinziehen zu lassen. Vielfach wird die Petition aber als Versuch der Regierung gewertet, Druck auf die Bischofskonferenz auszuüben. John Pambalu, der Vorsitzende des Jugendflügels von Chadema, einer der größeren Oppositionsparteien im Land, sagt: „Die wahren Feinde Tansanias sind Entführer und diejenigen, die sie beschützen. Einen Priester anzugreifen, der Verbrechen verurteilt, ist absurd.“
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