UN-Kommission wirft Syriens Konfliktparteien schwere Verbrechen vor

Genf - Die UN-Untersuchungskommission zu Syrien wirft den Konfliktparteien fortdauernde Kriegsverbrechen vor. Sowohl das Assad-Regime als auch Rebellengruppen und Terrormilizen seien für entsetzliche Gewalttaten gegen Zivilisten verantwortlich, heißt es in einem am Dienstag in Genf vorgestellten Bericht der Kommission.

Der Vorsitzende der Kommission, der Brasilianer Paulo Sérgio Pinheiro, erklärte, keine Partei in dem seit 2011 tobenden Konflikt habe "saubere Hände". Laut der Kommission werden Zivilisten Opfer von Verschleppungen, willkürlichen Verhaftungen, Vergewaltigungen und gezielten Tötungen. Zudem müssten sie Plünderungen und Angriffe auf ihr Eigentum erdulden.

Die Täter müssten zur Rechenschaft gezogen werden, verlangte der Kommissionsvorsitzende. Der Bericht der Syrien-Kommission deckt den Zeitraum von Anfang Januar bis Anfang Juli 2020 ab. Den Angaben nach sind seit Anfang März keine wesentlichen Kriegshandlungen zwischen den Konfliktparteien zu verzeichnen. Damals einigten sich Russland und die Türkei auf eine Waffenruhe für die Region Idlib im Nordwesten Syriens.

Hunderttausende Tote, Millionen Geflüchtete

Der Syrien-Konflikt begann 2011 mit Protesten gegen Machthaber Baschar al-Assad, die sein Regime blutig niederschlug. Terrorgruppen und Rebellen eroberten Teile des Landes. Hunderttausende Menschen wurden getötet. Millionen Frauen, Männer und Kinder flohen. Mit Hilfe Russlands und des Irans konnte Assad seine Gegner in den meisten Gebieten besiegen. Auch andere Mächte wie die Türkei und USA entsendeten Truppen in das Land.

Die UN-Kommission zu Syrien arbeitet im Auftrag des UN-Menschenrechtsrates. Die Kommission soll alle Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen in dem Konflikt dokumentieren. Die Kommission wird ihren aktuellen Report während der laufenden Herbstsitzung dem Menschenrechtsrat präsentieren.

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