Rückgabe afrikanischer Kultgegenstände

Panafrikanisten in Paris: Romain Catambara, Thibault Bao Abeldkader und Dihaoulou Bonelvy (von links) haben versucht, afrikanische Ritualgegenstände aus einem Museum zu holen.

Nicolas Michel

Rückgabe afrikanischer Kultgegenstände

Die das Raubgut stehlen wollen

Eine Gruppe panafrikanischer Aktivisten hat in Paris und Marseille demonstrativ versucht, Kunstobjekte aus Museen zu holen. Drei von ihnen erklären, warum es für sie so wichtig ist, sich die eigene Kultur wieder anzueignen.

Fünf panafrikanische Aktivisten haben am 12. Juni 2020 in Paris mit einer spektakulären Aktion im Musée du Quai Branly-Jacques Chirac Aufsehen in französischen Medien erregt. Das Museum vereint Sammlungen der früheren Museen des Menschen (Musée de l’Homme) und für afrikanische und ozeanische Kunst (Musée des Arts d’Afrique et d’Océanie) und ist ein Symbol der langen Kolonialgeschichte. 

Die Rückgabe afrikanischer Kultgegenstände, die in der Kolonialzeit geraubt wurden, ist neben der Abschaffung des Franc CFA ein wichtiges Ziel der jungen Aktivisten von der Bewegung „Unité Dignité Courage“ (UDC, „Einheit, Würde, Mut“). Sie trafen sich nach ihren eigenen Angaben im Juni zu einer Führung durch die afrikanischen Sammlungen – ohne klaren Plan, aber fest entschlossen, sich Gehör zu verschaffen. Der charismatische Anführer der Gruppe, der Kongolese Mwazulu Diyabanza Siwa Lemba, hielt dann in der Stille des Museums eine flammende Rede gegen den Kolonialismus und die Art, wie Afrika seiner Reichtümer, auch der kulturellen, beraubt worden ist. Anschließend rissen die Aktivisten einen hölzernen Begräbnispfahl der Bari, eines südsudanesischen Volkes, aus seiner Halterung und filmten sich dabei ohne Masken. Ihre Absicht war, den Pfahl aus dem 19. Jahrhundert Afrika zurückzugeben. „Wir haben beschlossen zurückzuholen, was uns gehört! Diese Gegenstände wurden uns unter der Kolonialherrschaft gestohlen. Wir nehmen unser Eigentum mit und bringen es nach Hause!“, verkündet Mwazulu Diyabanza in dem Video, das über die sozialen Netzwerke verbreitet wurde.

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erschienen in Ausgabe 11 / 2020: Erbe des Kolonialismus

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