Arabischer Frühling
 Die Tunesierin Asma Gatri arbeitet als Umweltingenieurin und berät Unternehmen. Nach ihrer Ansicht sind Frauen seit dem Arabischen Frühling viel freier geworden.

Privat

Arabischer Frühling

Endlich tut sich was für die Frauen

Frauen haben die Arabellion 2011 entscheidend geprägt. Auch wenn sie noch immer nicht wirklich gleichberechtigt sind, ist ein Wandel spürbar.  

Frauen aus allen Schichten der Gesellschaft waren vorne mit dabei, als 2011 eine Welle von Protesten die arabische Welt erfasste. Politisch haben sich ihre Hoffnungen auf Bürger- und Freiheitsrechte nur in Tunesien erfüllt, das den Weg in Richtung Demokratie eingeschlagen hat. Syrien, Jemen und Libyen sind dagegen in Bürgerkriegen versunken; in Ägypten, Libanon, Jordanien und Marokko ist die politische Unterdrückung heute größer als noch vor zehn Jahren. Dennoch sei ein gesellschaftlicher Wandel im Gange, der die Lebenswelten von Frauen verändert, sagt die Ingenieurin Fatema El Shafee aus Assiut in Mittelägypten (der Name ist geändert).

Die 54-Jährige war damals unter den Protestierenden in der 500.000-Einwohner-Stadt im Niltal rund 400 Kilometer südlich von Kairo. Die Arabellion war für sie auch ein Aufbäumen gegen traditionelle Rollenbilder. „Vor 2011 haben ägyptische Frauen weder politisch noch im sozialen Leben eine Rolle gespielt. Manchmal durften wir noch nicht einmal über unser eigenes Leben bestimmen.“ Das Leben einer ägyptischen Frau ihrer Generation bestand darin, zu heiraten, Kinder zu bekommen und Geld zu verdienen. Ihr Einkommen sollte sie ausschließlich für die Belange der Familie ausgeben, dabei sämtliche Hausarbeit übernehmen und sich um die Schulkarriere der Kinder kümmern. „Das alles ohne jegliche Anerkennung oder Mitspracherechte. 2011 haben die jüngeren Frauen dann gesagt, jetzt ist Schluss, wir haben auch Rechte und ihr Männer müsst uns endlich schätzen.“

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erschienen in Ausgabe 4 / 2021: Abholzen, abbrennen, absperren

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