Die Unicef-Krise hat eine notwendige Debatte neu belebt
Von Gesine Wolfinger
Das ist bitter: Unicef hat das DZI-Spendensiegel verloren. Doch die Vorgänge beim Deutschen Komitee des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen haben die Debatte um Transparenz wieder in Gang gebracht. Wenn sie Früchte trägt, gewinnen alle: Spender, Spendenorganisationen und nicht zuletzt die Hilfeempfänger.
Transparenz ist das oberste Prinzip beim Spendensammeln. Sie ist nicht nur eine ethische Pflicht, sondern entspricht auch dem Eigeninteresse der Hilfswerke: Sie schafft Glaubwürdigkeit, die sich in barer Münze auszahlt. Hilfsorganisationen in Großbritannien, in den Niederlanden und den USA haben das offenbar besser verstanden als viele deutsche. Denen attestieren Experten dringenden Nachholbedarf.
Die Zahl der Spenden sammelnden Organisationen ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Sie stellen inzwischen einen beträchtlichen Wirtschaftsfaktor dar, zehntausende Arbeitsplätze hängen von ihnen ab. Jährlich sind zwischen drei und fünf Milliarden Euro Spenden zu verteilen. Der Markt ist heiß umkämpft und manche Konkurrenten bedienen sich unlauterer Mittel wie den Einsatz von „Drückern“ an der Haustür. Das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen (DZI), die einzige öffentliche Prüfinstanz auf dem Gebiet, fühlt sich mit der großen Zahl von Anträgen auf sein Spendensiegel überfordert.
Nun sollen die Vergabekriterien überprüft und angepasst werden. Nach US-amerikanischem Vorbild ist zudem eine Datenbank im Aufbau, in der sich Spender über gemeinnützige Organisationen informieren können. Wie viel jede Organisation von sich preis gibt, bleibt ihr allerdings selbst überlassen. Um glaubwürdig zu sein, hilft deshalb nur der Sprung nach vorne: klar sagen, was mit den Spenden geschieht und warum der Spruch „Jede Mark nach Übersee“ nicht mehr zeitgemäß ist.
Denn Verwaltungskosten sind für sinnvolle Hilfe notwendig. Projekte, die Armut bekämpfen oder Not lindern sollen, müssen umsichtig vorbereitet und sorgfältig begleitet werden – und das kostet Geld. Wer vorschlägt, das Spendensiegel nur Organisationen zuzuerkennen, deren Verwaltungskosten unter fünf Prozent liegen, verkennt diesen Sachverhalt. Der ist auch Spenderinnen und Spendern zu vermitteln.
Die Deutsche Welthungerhilfe hat zum Beispiel die Diskussion über Transparenz geschickt genutzt, um in die Offensive zu gehen: In einem Spenden-Mailing werden die Ausgaben für Verwaltung und Werbung aufgeschlüsselt und begründet – bis hin zu den Kosten für das Anschreiben selbst. (gwo)
welt-sichten 2/3-2008