Bei Klimaforschung sparen schadet auch im Süden

Mann mit Mütze, im Hintergrund ein Gebirgstal und hohe Berge.
REUTERS/Akhtar Soomro
Tariq Jamil leitet die Katastrophenvorsorge in einem Dorf im Karakorum-Gebirge Nordpakistans und beobachtet den schmelzenden Gletscher am Talschluss. Die Klimaforschung braucht Daten wie seine, und Anpassung braucht Forschungsergebnisse.
Österreich
Die österreichische Regierung kürzt bei der Klimaforschung. Das belastet mittelfristig auch Kooperationen mit Entwicklungsländern und erschwert ihnen die Anpassung an Klimafolgen.

In der österreichischen Klimaforschung ist man sich seit Monaten unsicher: Wird es bestimmte Förderprogramme weiter geben? Lohnt es sich, neue Projekte zu beantragen? Und welche Rolle kann ein kleines Land wie Österreich künftig in der internationalen Klimaforschung spielen?

Der Anlass sind Kürzungen und Verzögerungen bei zentralen Förderinstrumenten. Die für 2025 vorgesehenen Mittel des Klima- und Energiefonds, der Fördergelder für Forschung vergibt und in Österreich unter anderem Gemeinden bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt, wurden erst Ende Dezember freigegeben. Besonders betroffen ist das Austrian Climate Research Programme, bislang ein wichtiges Bindeglied zwischen Grundlagenforschung und praktischer Umsetzung: Das Fördervolumen ist von rund fünf Millionen auf etwa zwei Millionen Euro gesunken.

Weniger prominent als Grundlagenforschung

Zudem war lange unklar, ob es überhaupt eine Ausschreibung geben wird, was die Planbarkeit erheblich erschwert hat, sagt Daniel Huppmann vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg und Obmann des Climate Change Center Austria. „Gerade die angewandte Klimaforschung ist entscheidend, um Klimamodelle in konkrete Handlungsempfehlungen für betroffene Regionen zu übersetzen“, sagt er. Diese Arbeit sei jedoch weniger sichtbar als Grundlagenforschung und politisch leichter zu kürzen. Gleichzeitig sei sie ausschlaggebend dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse überhaupt wirksam würden. Der Vorstand des Climate Change Center Austria hat gemeinsam mit den Scientists for Future Austria in einem offenen Brief vor einer schleichenden Aushöhlung der Klimapolitik und der Klimaforschung gewarnt.

Was wie eine rein nationale Förderentscheidung erscheint, betrifft auch ein globales Forschungsnetzwerk, das auf Datenaustausch, Kooperation und Vertrauen angewiesen ist. Die angewandte Klimaforschung ist eng in internationale Netzwerke eingebunden, besonders mit Ländern, die stark von Klimafolgen betroffen sind. So sind Institutionen wie die GeoSphere Austria, der staatliche Wetter- und Klimadienst Österreichs, an Programmen beteiligt, die meteorologische Beobachtungssysteme im globalen Süden aufbauen und betreiben. 

Netzwerke mit von Klimafolgen betroffenen Ländern

„Wir arbeiten derzeit mit neun Ländern zusammen, darunter der Sudan, Laos und Dominica“, sagt Gerhard Wotawa, Vorstandsmitglied des Climate Change Center Austria (CCCA) und Direktor für Klima und Umwelt bei der GeoSphere Austria. Dabei gehe es nicht nur um Technik, sondern um langfristige Zusammenarbeit: Messstationen errichten, Daten in globale Modelle integrieren, Fachkräfte ausbilden. Solche Projekte machen Prognosen für regionale Klimaänderungen um 20 bis 25 Prozent zuverlässiger, wenn zusätzliche Messdaten verfügbar sind. In besonders verwundbaren Regionen ist das entscheidend für Frühwarnsysteme, Katastrophenschutz und landwirtschaftliche Planung.

Viele dieser Länder verfügen nicht über eigene flächendeckende Beobachtungsnetze und sind auf internationale Kooperation angewiesen. Zugleich tragen sie wenig zur Klimakrise bei, sind aber besonders stark davon betroffen. Klimaforschung wird damit auch zu einer Frage von Entwicklungspolitik. Voraussetzung bleibt jedoch stabile Förderung dieser Forschung im Inland, betont Wotawa. 

Einschniitte auch bei der internationalen Klimafinanzierung

Die Entwicklung fällt in eine Phase beschleunigter klimatischer Veränderungen. Österreich hat sich seit der vorindustriellen Zeit um rund 3,1 Grad erwärmt – deutlich stärker als der globale Durchschnitt von etwa 1,4 Grad. Klimabedingte Schäden und Anpassungsmaßnahmen kosten das Land jährlich 5,4 bis 7 Milliarden Euro. „Man kann die Klimakrise nicht einfach wegsparen“, sagt Wotawa.

Bei der internationalen Klimafinanzierung aus Österreich gab es bereits im vergangenen Jahr Einschnitte. Mittel für Klimaprojekte von NGOs wurden gestrichen oder reduziert. Auch die staatliche internationale Klimafinanzierung ist gesunken: Laut offiziellem Bericht von rund 555 Millionen Euro im Jahr 2023 auf etwa 405 Millionen Euro 2024. Gemessen an Wirtschaftsleistung und Emissionsverantwortung liegt Österreich damit unter dem EU-Durchschnitt.

Erfahrungen, die anderen Gebirgsländern helfen können

Gleichzeitig ziehen sich weltweit größere Geberstaaten zurück. „Viele wichtige Player sind ausgefallen, etwa die USA“, sagt Gottfried Kirchengast, Klimaforscher und Gründer des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel an der Universität Graz. Die Bedeutung der Beiträge kleinerer Staaten steigt damit, auch wenn die begrenzt bleiben. Österreich hat sich in bestimmten Bereichen eine wichtige Rolle erarbeitet. „Aufgrund unserer Erfahrung als gebirgiges Land sind wir ein gutes Modell dafür, wie man Informationen im Katastrophenfall bis in abgelegene Regionen bringt“, sagt der Klimaforscher. Diese Rolle beruhe jedoch auf kontinuierlichen Investitionen und stabilen Strukturen.

Die Forscher warnen auch vor indirekten Folgen: Nationale Entscheidungen beeinflussten internationale Kooperationen und die Attraktivität für Forschende. Und sie stärkten Gruppen, die die Klimakrise relativieren, warnt Kirchengast: „Das führt auf eine abschüssige Bahn, auf der alle verlieren.“

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