Timor-Leste
 Xanana Gusmão, der Held der Unabhängigkeits­bewegung, war Präsident und Premierminister des neuen Staates Timor-Leste. Hier gibt er bei der Wahl im Mai 2018 in Dili seine Stimme ab. 

Lirio Da Fonseca/REUTERS

Timor-Leste

Arm, aber unabhängig

Der neue Staat Osttimor hat sich nach einer schweren inneren Krise politisch gefestigt und die Lebensverhältnisse verbessert. Das Erbe der gewaltsamen indonesischen Herrschaft wirft aber weiter einen Schatten auf das Land.

Als Osttimor 2002 unabhängig wurde, war das mit großen Hoffnungen verbunden. „Ich wünsche mir ein besseres Timor-Leste, dafür habe ich damals gekämpft“, bringt heute die ehemalige FALINTIL-Guerillera Ina Varella Bradridge die Erwartungen vieler auf den Punkt. „Auch als die Portugiesen uns schwarz und dumm nannten und die Indonesier uns sagten, dass wir die Unabhängigkeit nicht erlangen würden.“ 

Doch der neue Staat war mit einem schweren Erbe belastet. Der Kleinstaat Timor-Leste, wie sich das Land inzwischen nennt, ist ein Relikt der europäischen Kolonialzeit. Über 400 Jahre erhob Portugal Anspruch auf ganz Timor. Mitte des 19. Jahrhunderts aber teilten Portugal und die Niederlande die Insel unter sich auf – die Niederlande bekamen den Westen, Portugal den Osten. Im Osten brach die Kolonialherrschaft nach 1974 zusammen, als die Nelkenrevolution in Portugal das alte Regime hinwegfegte. Erste Gehversuche politischer Parteien in Portugiesisch-Timor mündeten im August 1975 in einen kurzen Bürgerkrieg, aus der die FRETILIN, die Revolutionäre Front für die Unabhängigkeit von Osttimor, als Siegerin hervorging. Ende November rief sie einseitig die Unabhängigkeit aus und erhoffte sich Unterstützung von den Vereinten Nationen (UN). 

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erschienen in Ausgabe 6 / 2021: Selbst bestimmen!

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