Benin
 Bevor sie zu Tofu verarbeitet werden, werden die Sojabohnen auf ihre  Qualität geprüft, hier in der Nähe der Stadt Parakou. 
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Mit Sojabohnen zum Erfolg

Sojaprodukte werden in Benin immer beliebter. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit unterstützt deshalb die Verarbeitung im Land – und zeigt, wie Kleinbauern sinnvoll in Wertschöpfungsketten eingebunden werden können

Es ist ein Glücksfall für Benin, dass hier nicht nur Soja angebaut werden kann, sondern Sojaprodukte in der täglichen Ernährung seit Generationen eine Rolle spielen. So ist es üblich, Tofu und Sojamehl herzustellen. „Sojakäse“ ist eine preisgünstige Alternative zum mehrfach teureren Kuhmilchkäse; Sojamehl, bekannt als gute Nahrungsergänzung, findet sich in Keksen und wird in der Schul- und Krankenhausspeisung verwendet.

Seit zehn Jahren fördert Deutschland im Rahmen seiner Entwicklungszusammenarbeit mit Benin die Wertschöpfungskette für Soja. Bis dahin litt sie an erheblichen Schwachstellen: Es gab zu wenig hochwertiges Saatgut, die Verarbeitung der Ernte reichte nicht sehr weit und die Vermarktung war ebenso mangelhaft wie die Selbstorganisation der beteiligten Bäuerinnen und Bauern, der verarbeitenden Betriebe und des Handels. Auch brachte das bis dahin genutzte Saatgut nur mäßige Erträge und war vor der Ernte extrem anfällig: Schon wenige Tage nach der optimalen Reife platzten die Schoten auf, so dass große Teile der Bohnen auf dem Feld verloren gingen. 

Die vor allem an der Verarbeitung von Sojabohnen vor Ort beteiligten Frauen arbeiteten auf technisch und qualitativ sehr niedrigem Niveau, waren im Hinblick auf Ein- und Verkauf kaum organisiert und fanden entsprechend nur einen kleinen Markt für ihre Produkte. Zudem waren die Preise niedrig und der Gewinn entsprechend schmal. Ein Großteil der Ernte ging direkt zu den wenigen größeren Ölmühlen im Land, die vor allem für den Export ins Ausland produzierten. Oder man lieferte die Bohnen unverarbeitet nach Indien, Vietnam und in die Nachbarländer Benins.

Im Rahmen der Sonderinitiative Eine Welt ohne Hunger begann das Bundesentwicklungsministerium Ende 2014, die bereits einige Jahre zuvor in der bilateralen Zusammenarbeit mit Benin gestartete Unterstützung der Soja anbauenden kleinbäuerlichen Betriebe stark auszubauen. Zudem wurde die Zusammenarbeit auf die Sojaverarbeitung und weitere Glieder der Wertschöpfungskette ausgeweitet. Es wurden neue Saatgutvarianten eingeführt, die deutlich weniger empfindlich bei der Ernte waren und höhere Erträge lieferten. 

Mehr Ertrag, höherer Proteingehalt

Die Erträge dieser neuen Varianten wurden durch die Inokulation noch einmal erheblich gesteigert. Hierbei wird das Saatgut mit Soja-spezifischen Knöllchenbakterien „geimpft“. So wird Stickstoff aus der Atmosphäre in für die Pflanze nutzbaren, organischen Stickstoff umgewandelt, während die Bakterien ihrerseits Energie durch die Sojapflanze erhalten. Das hat für die Produzentinnen und Produzenten zwei Vorteile: Zum einen steigt der Ertrag, zum anderen erhöht sich der Proteingehalt der Sojabohnen und damit ihr ernährungsphysiologischer Wert – und ihr Marktpreis. Das Saatgut wird großteils von Betrieben in Benin selbst hergestellt, das „Impfgut“ in Zusammenarbeit mit der Universität von Abomey-Calavi bisher zumindest teilweise.

 Die Chefin selbst zerschneidet den fertigen Tofu-Laib.Frank Bliss

Untersuchungen des Instituts für Entwicklung und Frieden (INEF) in Duisburg, auf der dieser Beitrag beruht, zeigen, dass als Folge der Unterstützung aus Deutschland die kleinbäuerlichen Betriebe in Benin ihre Erlöse deutlich steigern konnten. Die Bauern erzielten größere Ernten und haben die Flächen für den Sojaanbau stark vergrößert – und dies bei einem zunehmend großen Anteil lokaler Verarbeitung und erheblicher Nachfrage nach Sojaprodukten im Land. 

Autor

Frank Bliss

ist Professor für Ethnologie (Schwerpunkt Entwicklungsethnologie) an der Universität Hamburg und Senior Research Fellow am Institut für Entwicklung und Frieden (INEF) der Universität Duisburg-Essen. Der Artikel beruht auf einer Studie für das INEF.
Die bäuerlichen Betriebe, die in Benin Soja anbauen, sind zumeist klein, also zwischen einem und fünf Hektar groß, wobei in der Regel ein Drittel bis die Hälfte für Soja verwendet wird. Wer clever ist, nutzt etwas Land für Baumwolle, was zwar wenig rentabel ist, aber den Zugang zu wirksamen Düngemitteln vereinfacht, die für den Baumwollanbau subventioniert werden (siehe den Beitrag S. 46-48). Den Rest ihres Landes nutzen die meisten Bauern für den Eigenbedarf (Subsistenz) und in Stadtnähe auch für den Gemüseanbau zum Verkauf auf dem Markt. 

Ein im Rahmen der Studie besuchter typischer Betrieb konnte den Sojaertrag zwischen den Jahren 2014 und 2017 von zehn auf 17 Sack steigern; landesweit sind die Erträge im Durchschnitt von 0,8 Tonnen pro Hektar auf heute 1,2 bis 1,5 Tonnen gestiegen. Der Bauer ist zudem stolz darauf, ausschließlich ökologisch zu produzieren, was in Benin auf wachsende Nachfrage stößt. Mit etwas Geschick können Betriebe ihre Einkommen dadurch zusätzlich  erhöhen.

Das zweite wichtige Glied der Wertschöpfungskette ist der Transport und vor allem eine vor Insekten und Nagetieren sichere Lagerung bis zum Verkauf oder zur Verarbeitung der Bohnen. Viele Bauern mieten für den Transport vom Feld zum Lager oder zum Händler gemeinsam Kleinlaster oder schaffen sich ein chinesisches Lastenmotorrad mit fest verbautem Zweiradanhänger an. Damit können sechs bis acht Säcke in der Regel fünf bis fünfzehn Kilometer weit transportiert werden. 

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Baumwollbauern

Um Soja sicher zu lagern, hat sich die Zusammenarbeit mit Baumwollbauern als besonders erfolgreich und zudem preisgünstig erwiesen. Denn diese verfügen häufig über Lagerhäuser, die die Hälfte des Jahres leer stehen, so dass sie zusätzlich von den Sojaproduzenten genutzt werden können. Dieses Modell könnte in weiten Teilen Westafrikas übernommen werden, um der Inflation von Lagerhäusern unterschiedlicher Bauerngruppen im selben Dorf zu begegnen. Zudem kann auf diese Weise der Unterhalt der Gebäude besser als bisher finanziert werden.

In der beninisch-deutschen Zusammenarbeit ist es durch den Zusammenschluss Soja anbauender Betriebe gelungen, günstige Verträge mit Ölmühlen abzuschließen, die feste Preise garantieren. Ein Teil der Sojaernte wurde früher in der Regel zur Deckung der Produktionskosten frühzeitig verkauft. Aufgrund besserer Lagerhaltung und dieser Preisgarantie sind die Produzentinnen und Produzenten heute nicht mehr so soft dazu gezwungen.

Einer der Verbände, der die Verhandlungen mit Abnehmern von Soja unterstützt hat, ist die Association Bénin Soja (ABS) in Parakou, die 2018 eigenen Angaben zufolge rund 4000 Sojaproduzentinnen und -produzenten vertreten und unterstützt hat sowie etwa 1000 Soja verarbeitende Frauen (und vereinzelt Männer), rund 20 Saatgutbetriebe und fünf Unternehmen, die landwirtschaftliches Gerät herstellen. 

Zudem verkaufen die Bäuerinnen und Bauern heute einen zunehmenden Teil ihrer Ernte zu fairen Preisen an lokale und regionale Abnehmer, die als Zwischenhändler auftreten oder die Sojabohnen selbst verarbeiten. An der Verarbeitung sind neben wenigen Männern in ganz Benin wahrscheinlich Zehntausende Frauen beteiligt. 

Am unteren Ende der Sojaverarbeitung stehen vor allem ärmere Frauen in den Dörfern, die allein oder in Gruppen kleine Mengen von Sojakäse herstellen, um sie an Markttagen frisch oder mariniert und gegrillt zu verkaufen. Die früher hygienisch bedenkliche Produktionsweise und entsprechend mangelhafte Qualität des Tofu konnte mit deutscher Unterstützung an Hunderten von Standorten verbessert werden. Hierfür wurden zahlreiche Frauengruppen geschult. Gegen eine Eigenbeteiligung stellt die beninische Partnerorganisation den Frauen zudem Kochtöpfe, Herde und größeren Gruppen auch Motormühlen für die Herstellung des Sojabohnenbreis zur Verfügung.

Die Soja verarbeitenden Kleinbetriebe schaffen viele Jobs

Vor allem in Marktorten sowie am Rand größerer Städte werden auch einzelne Betriebe zusätzlich zur Sojaverarbeitung in Qualitätsverbesserung, Buchhaltung und Marketing geschult und bei der Registrierung als formeller Betrieb für Bioerzeugnisse unterstützt. Einige dieser Betriebe sind stark spezialisiert, etwa auf die Herstellung von Sojamilch und -joghurt, und beliefern Schulen und Krankenhäuser. Einige stellen Sojamehl her sowie Mischungen mit Mais- und Weizenmehl als empfohlene Nahrungsergänzung. Es gibt Kleinunternehmerinnen, die soja-basierte Kuchen an Bäckereien, Restaurants und kleine Supermärkte liefern. Und es gibt Betriebe, die alles zugleich machen und zur besseren Auslastung ihrer Anlagen und ihrer Geräte weitere Produkte herstellen, etwa Mango- oder Ananassaft.

Laut der INEF-Studie haben vor allem die Soja verarbeitenden Kleinbetriebe viele Jobs geschaffen. Im Allgemeinen erweitert eine im Rahmen des Projekts geförderte Person schnell ihren Betrieb und stellt zwischen zwei und fünf weitere Personen ein. Dabei handelt es sich zumeist um Arbeiterinnen aus der Nachbarschaft, die aber anders als Hilfskräfte in der Landwirtschaft ganzjährig Beschäftigung finden. Viele der geförderten Unternehmerinnen lösen sich aus der Informalität und betreiben formelle Firmen mit Steueranmeldung, geschützter Marke und sogar sozialversicherten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. 

Eine wichtige Rolle in der beninisch-deutschen Zusammenarbeit ist die Förderung des Marketings. Während die Frauengruppen eher den nächsten Wochenmarkt vor allem mit Tofu bedienen, denken die Kleinunternehmerinnen darüber hinaus an den wachsenden Markt in den Städten, wo Soja längst die Supermärkte erreicht hat – und das vermutlich in größerem Umfang als in Deutschland. Eine der besuchten Geschäftsfrauen etwa hat eine Vertreterin in der Wirtschaftsmetropole Cotonou, die Bestellungen einholt und die Waren mit einem Kleinlaster an die Geschäfte ausliefert. 

Einige Betriebe und ihre Produkte wurden mittlerweile nach internationalen Kriterien zertifiziert. So können die ersten Soja verarbeitenden Betriebe ihre Produkte etwa in den europäischen Markt exportieren, manche davon sogar als Bioprodukte. 

Die INEF-Studie nennt aber auch einige Aufgaben, die erledigt werden müssten, um den Nutzen aus der Wertschöpfungskette für Soja weiter zu vergrößern. So beklagten viele Produzentinnen und Produzenten sowie Verbändevertreter, dass Kredite für den Anbau von Soja, vor allem zur Bezahlung zusätzlicher Arbeitskräfte in der kurzen Anbauperiode, kaum zu erhalten seien. Gebe es ausnahmsweise doch Kredite, müssten diese zumeist mit der Ernte und ihrem Verkauf zügig zurückgezahlt werden. Drei bis vier Monate längere Laufzeiten würden es den Produzenten ermöglichen, einen dann in der Regel deutlich höheren Marktpreis zu erzielen. 

Zudem wäre es sinnvoll, die Agrarproduktion mit Maßnahmen im Bereich des Boden- und Wasserschutzes zu ergänzen. Und es müsste das in Benin und anderen westafrikanischen Ländern weit verbreitete Problem angegangen werden, dass Frauen nur schwer Zugang zu gesicherten Landrechten erhalten. Für beides lassen sich in Benin erfolgreiche Beispiele aus der Entwicklungszusammenarbeit finden, sie müssten nur in die Förderung der Wertschöpfungskette Soja integriert werden.

erschienen in Ausgabe 6 / 2021: Selbst bestimmen!

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