Reife Leistung
Reife Leistung

Klimaneutraler Schweinsbraten

 Wolfgang Ammer
Früher dachten wir, die Kuh sei ein Klimakiller und etwas weniger auch das Schwein und die anderen Viecher im Stall, deren Fleisch, Milch oder Eier wir gerne verzehren. Doch nun hat ein Forschungsteam ausgerechnet, welchen Klimaschaden die Natur anrichtet: Das Wildschwein setzt jedes Jahr so viel Kohlendioxid frei wie eine Million Autos, besonders da, wo es ursprünglich nicht zu Hause ist wie in Australien. Denn die Tiere wühlen ihr Fressen aus dem Dreck und pflügen den Boden um, der deshalb Treibhausgase freisetzt. 

Diese bahnbrechenden Erkenntnisse zwingen uns, einige Klimaschutzpläne zu überdenken. Was zum Beispiel nützt es, dass Landwirte weniger pflügen, solange das Schwein munter weiter wühlt? Und sollten alle, die wegen ihrer persönlichen Klimabilanz kein Fleisch mehr essen, nicht endlich Abbitte an die Jäger leisten, die im Wald zu nächtlicher Stunde Wildschweine schießen? Der Braten, den sie danach genießen, ist ihr Beitrag zum Klimaschutz!

Allerdings bringen sie mit diesen alten Methoden nicht genug Tiere zur Strecke. Wie auch die Forscher bemerken, sind Wildschweine schlau und zäh. Sie pflügen und emittieren weiter, wie und wo sie wollen – auch darin mit uns Menschen verwandt. Wirksamer jagt man sie gerade in Australien mit Jeeps oder Hubschraubern, was dummerweise selbst Treibhausgase freisetzt. Wie viel genau, berechnen die Computermodellierer jedoch bereits. Dann weiß man endlich, wie viel Klimaschutz netto welche Art Wildschweinjagd leistet, und kann diese Jagd in den Markt für Klimakompensation einbeziehen. Den Jägern wird der Verkauf von Einsparungs-Zertifikaten ein schönes Zubrot bringen. Und wenn Schweinemastbetriebe ihre Emissionen mit Zertifikaten aus der Wildschweinjagd ausgleichen, ist der Klimaschutz einen entscheidenden Schritt weiter und der Schweinbraten klimaneutral – ob aus dem Stall oder nicht. So nützlich kann Forschung sein!
 

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