Kamerun-Konflikt
Kamerun-Konflikt

Fehlender Schutz für Frauen

Seit sechs Jahren schwelt ein Konflikt in den anglophonen Regionen Kameruns, besonders Frauen und Kinder sind gefährdet. Laut einer Studie der Crisis Group müssen sie mehr Sicherheit erfahren und in Friedensprozesse eingebunden werden.

In ihrer Studie zur Lage der Frauen in den anglophonen Regionen Kameruns fordern die Autoren der International Crisis Group von den Separatisten wie auch von der Regierung mehr Sicherheit für Frauen. Die Studie „Rebels, Victims, Peacebuilders: Women in Cameroon´s Anglophone Conflict“ basiert auf über 110 Interviews  mit Regierungsvertretern, Separatisten, Vertretern der anglophonen Zivilgesellschaft und Frauengruppen zwischen August 2020 und Januar 2022.

Der Konflikt, der sich schon seit vielen Jahren vordergründig an der Marginalisierung der englischen Sprache, Kultur und Gesellschaft durch die frankophon geprägte Kameruner Zentralregierung entzündet, eskalierte, nachdem im Oktober 2016 im anglophonen Westen des Landes zahlreiche Anwälte, Lehrer und Studenten friedlich demonstriert hatten. Sie wollten verhindern, dass die anglophonen Rechts- und Bildungssysteme den frankophonen untergeordnet werden. Auch weil die Zentralregierung mit Gewalt auf die Demonstrationen reagierte, schlugen diese recht schnell in eine Revolte um, und Forderungen, Kamerun in zwei Staaten aufzuteilen, wurden laut. Daraufhin führte die Regierung zwar Gespräche mit Vertretern der Protestierenden, ignorierte aber tiefergehende Missstände. Ende 2017 weitete sich die Krise zu einem bewaffneten Konflikt aus, der noch immer anhält. Seitdem starben allein 6000 Menschen in Kampfhandlungen. 

Frauen besser vor konfliktbedingter Gewalt schützen

Wie die Studie darlegt, war 2021 ein besonders gewalttätiges Jahr, es kam zu zahlreichen Zusammenstößen zwischen Separatisten und Sicherheitskräften. Tausende Frauen und Kinder aus den betroffenen Regionen mussten vor sexuellen Übergriffen durch beide Seiten fliehen. Aktivistinnen haben mit einigem Erfolg auf Hilfsmaßnahmen und die Wiedereröffnung von Schulen gedrängt, die zuvor durch separatistische Boykotte geschlossen worden waren. Die politische Haltung der vom Konflikt betroffenen Frauen sei dabei nicht einheitlich: Einige hätten sich dem Aufstand angeschlossen, motiviert durch politische Überzeugungen oder Wut und Verzweiflung. Andere hätten sich Aktivisten angeschlossen, die die Not der Frauen hervorheben und sich für den Frieden einsetzen. Dennoch haben sowohl die Regierung als auch die Separatisten, Anliegen der Frauen wie vor allem Schutz vor sexuellen Übergriffen weitgehend ignoriert, schreiben die Autoren.

Die International Crisis Group fordert daher, dass die kamerunischen Behörden Frauen besser vor konfliktbedingter sexueller Gewalt schützen und auch den Bedürfnissen der Vertriebenen besser gerecht zu werden – beispielsweise bei der Ausstellung ziviler Papiere oder bei der Gesundheitsversorgung. Sowohl die Regierung als auch die Separatisten sollten Frauengruppen demokratischen Raum gewähren, damit sie sich für den Frieden einsetzen können, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Schließlich müssen humanitäre Helfer ungehinderten Zugang zu den anglophonen Regionen bekommen. 

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