Kambodscha
 Verstehen sich prächtig: Chinas Vize-Handelsminister Qian Keming und der kambodschanische Tourismusminister Thong Khon 2021 bei der Übergabe des von China finanzierten Nationalsta­dions in Phnom Penh.

Tang Chhin Sothy/pool/AFP via Gettymages

Kambodscha

Eine gesponserte Autokratie

Kambodscha ist seit 1993 abwechselnd von westlichen Demokratien und von autoritären Regimen wie China oder Russland gefördert worden. Das hat sich auf die Demo­kratisierung des Landes und den Rückschritt Richtung  autoritäre Herrschaft ausgewirkt. 

Der Wettstreit der Großmächte beeinflusst kleinere Staaten stark – zum Beispiel Kambodscha. Zwar bemühen sich kleine Staaten und solche im Übergang zum Frieden um ein Gleichgewicht in den Beziehungen zu Großmächten, besonders westlich-demokratischen einerseits und autoritären Regimen, einschließlich Russland und China, andererseits. Doch Kambodscha zeigt den Einfluss der Großmächte, der das Regime im Land im Laufe der Zeit zwischen Demokratie und Autoritarismus schwanken lässt. Jeder Übergang war auf die Unterstützung eines „Sponsors“ unter den mächtigen Ländern zurückzuführen.

Die Militärjunta der Khmer-Republik (1970–1975) wurde von den USA unterstützt. Auf sie folgte nach einem Bürgerkrieg die kommunistische Diktatur der Roten Khmer (1975–1979), die von China unterstützt wurde und sich an dessen kommunistischer Ideologie orientierte. Nach dem Sturz der Roten Khmer durch eine vietnamesische Militärintervention wurde die offenbar von Vietnam und Russland unterstützte sozialistische Volksrepublik Kampuchea (1980-1990) ausgerufen, auch wenn diese von den Roten Khmer bis zur letzten Schlacht im Jahr 1998 bekämpft wurde. Westliche Länder finanzierten dann einen Friedensprozess und eine von der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen in Kambodscha (UNTAC) geführte Interimsregierung (1991–1993). Das darauffolgende Königreich Kambodscha (1993–2012) war zunächst eine ebenfalls vom Westen unterstützte Demokratie, die jedoch ab 2013 unter dem wachsenden substanziellen Einfluss Chinas zunehmend zur Autokratie tendierte.

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erschienen in Ausgabe 11 / 2022: Leben in Krisenzeiten

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