Legale Wege sind ein Fortschritt

Zuwanderung
Wenn die Bundesregierung Fachkräfte aus Afrika anwirbt, können beide Seiten profitieren – falls die Ausbildung die Interessen beider Seiten berücksichtigt.

Barbara Erbe ist Redakteurin bei „welt-sichten“.
Entwicklungsministerin Svenja Schulze und Arbeitsminister Hubertus Heil haben, glaubt man ihren Verlautbarungen, eine Wende in der deutschen Einwanderungspolitik eingeleitet. Erstmals will die Bundesregierung gezielt afrikanische Arbeitskräfte nach Deutschland locken. Ein reformiertes Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll dabei dafür sorgen, dass ausländische Berufsabschlüsse leichter anerkannt und Hürden für qualifizierte Arbeitskräfte aus Staaten außerhalb der EU beseitigt werden. Auf Grundlage eines Punktesystems, das berufliche Qualifikationen, Sprachkenntnisse und Lebensalter wertet, sollen Menschen grundsätzlich auch ohne Jobzusage zur Arbeitsplatzsuche nach Deutschland kommen dürfen. Gleichzeitig sollen Partnerländer illegal Ausgewanderte zurücknehmen.

Das ist ein sinnvoller Schritt, um den Fachkräftemangel hierzulande zu lindern. Und er trägt der Erkenntnis Rechnung, dass ein legaler Weg der Einwanderung nötig ist, um zu verhindern, dass sich Menschen auf der Suche nach Arbeit für ihr letztes Geld in die Arme von Schleppern begeben – und dann unter menschenunwürdigen Bedingungen in Lagern leben oder im Mittelmeer ertrinken. 

Damit der Ansatz auch für die afrikanischen Herkunftsstaaten attraktiv ist, müssen in der Praxis aber auch deren Interessen berücksichtigt werden. In der Entwicklungszusammenarbeit ist die Anwerbung von Arbeitskräften seit Jahren umstritten. Um den Herkunftsländern nicht deren knappe Fachkräfte zu nehmen, gilt es, die Arbeitskräfteanwerbung in entwicklungsorientierte, faire Partnerschaften einzubetten. 

Ein gutes Beispiel dafür ist das Konzept der „Global Skills Partnerships“ des Centre for Global Development. Die Idee ist, dass die Ausbildung im Herkunftsland Fähigkeiten vermittelt, die sowohl dort als auch im Zielland gefragt sind – und dass sich die Ausgebildeten im Anschluss selbst entscheiden, in welchem Land sie arbeiten. Die Abschlüsse sollen dank eines einheitlichen Ausbildungs- und Berufscurriculums in beiden Partnerländern anerkannt werden. Im Idealfall springt dabei für beide Länder etwas heraus.

Für Deutschland bliebe dann nur noch zu wünschen, dass es für ausländische Fachkräfte attraktiver wird, als es jüngst beim Besuch von Christoph Lindner in Ghana schien. Da fragte der Finanzminister Studierende in Accra, ob sie sich vorstellen könnten, in Deutschland zu arbeiten. Die dürftige Resonanz verbreitete sich rasend schnell auf Twitter
 

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erschienen in Ausgabe 2 / 2023: Religion und Frieden
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