Neue Chancen der Ausbeutung

Mobile Zahlungssysteme
Mobile Zahlungssysteme wie M-Pesa aus Kenia gelten als bahnbrechende Innovation, auch um Armut zu bekämpfen. Sie können aber zu Überschuldung und unnötigen Kosten führen, zeigt eine Studie zu Ghana.

Die Möglichkeit, über das eigene Handy Geld zu sparen und zu verschicken, birgt für Menschen, die nicht über ein eigenes Bankkonto verfügen, große Chancen. Diese Möglichkeit bietet seit einigen Jahren der kenianische Mobil-Gelddienst M-Pesa – M steht dabei für mobil und Pesa ist Swahili für Geld. Entwicklungsorganisationen, Wissenschaftler, Wirtschaftsexperten und Technologieunternehmen haben M-Pesa und weitere FinTech-Ansätze für mobiles Geld dafür gelobt, dass sie damit einen Pionierbeitrag zur Armutsbekämpfung und zur Vermehrung des Wohlstands im globalen Süden leisteten. 

Der Wissenschaftler Isaac Abotebuno  Akolgo hat nun an der Universität Bayreuth eine Studie vorgelegt, in der er die Verbreitung mobiler Gelddienstleistungen in Ghana durch Anbieter von „financial technology“ (FinTech) analysiert. 

Schnelleres Geld, höhere Schulden

Anhand von Daten der Bank of Ghana und Antworten aus 42 Interviews mit Kunden solch mobiler Gelddienste zeigt er, dass FinTech in Ghana zwar durchaus die Leichtigkeit und Geschwindigkeit von Finanztransaktionen verbessert hat.  Allerdings hat die neue Art der Geldübertragung auch dazu geführt, dass sich deren Nutzer mehr als früher durch digitale Mikrokredite verschulden. Zudem müssen sie teilweise extrem hohe Transaktionskosten an die Anbieter bezahlen, und zusätzlich erhebe die ghanaische Regierung eine 1,5-prozentige Steuer auf die Transaktionen, die arme Menschen unverhältnismäßig stark belaste. 

Vor allem die Anbieter profitieren

Der Autor betrachtet diese Ergebnisse als Beleg dafür, dass von der Einführung mobiler digitaler Gelddienstleistungen vor allem die Anbieter profitieren – und nicht, wie häufig postuliert, die Armen. Wenn, wie beispielsweise in Ghana, Fintechs mit Anteilseignern im globalen Norden expandieren, verfestige sich darüber hinaus die ausländische Kontrolle des afrikanischen Finanzsystems.  Insgesamt, so der Autor, bestätigen die Ergebnisse die breitere kritische Literatur, die darauf hindeutet, dass Fintech-Anbieter wenig dazu beitragen, Armut zu beenden und Wohlstand zu fördern. 

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