Dominic Johnson Kongo. Kriege, Korruption und die Kunst des Überlebens Brandes & Apsel, Frankfurt/Main 2008 212 Seiten, 19,90 Euro
Wer die gegenwärtigen Konflikte im Osten der Demokratischen Republik Kongo verstehen will, sollte Dominic Johnsons Buch lesen. Der Auslandsredakteur der „tageszeitung“ verfolgt die Entwicklungen im Kongo seit Jahren und bereist das Land regelmäßig. Er stellt gerafft dessen Geschichte dar und behandelt besonders den Konfliktherd Kivu (Ostkongo) sowie die beiden Kriege zwischen 1996 und 2003. Das Zusammenwirken vom Zerfall des Staates mit Auswirkungen des Völkermords in Ruanda wird sehr gut deutlich, die Verflechtung mit Krisen in anderen Nachbarstaaten wie Angola und der Zentralafrikanischen Republik etwas weniger. Danach erklärt Johnson, warum der Friedensvertrag von 2003 nicht wirklich Frieden gebracht hat. Das Buch führt sehr anschaulich vor Augen, wie stark informelle Organisationsformen nicht nur die Wirtschaft – einschließlich des Abbaus der Rohstoffe –, sondern auch die Politik prägen. Die Regierung hat wenig Einfluss und Geld; ein großer Teil des Rohstoffexports entzieht sich ihrer Kontrolle, weite Teile der Armee unterstehen weiterhin Kriegsfürsten. Den Frieden mittels Aufbau des Staates von oben nach unten sichern zu wollen, hält Johnson für verfehlt. Wie man ohne dies die Verflechtung mit den Krisen in den Nachbarländern lösen kann und wo es Reformkräfte und vielversprechende Ansätze eines Aufbaus neuer Institutionen von unten gibt, bleibt allerdings großenteils offen.
(bl)
welt-sichten 12-2008/01-2009