Europäische Kommunen für den Erhalt des Regenwaldes

Das Klimabündnis verbindet Klimaschutz mit Nord-Süd-Kooperation. Bereits seit 1990 schließen sich Kommunen, Bundesländer und Provinzen aus ganz Europa mit Organisationen der indigenen Völker Lateinamerikas zusammen; mittlerweile sind es 1600. Auf der Jahrestagung des Bündnisses in München stellten Kommunen aus Österreich, Luxemburg, Italien und Deutschland Projekte vor.

Das Netzwerk unterstützt die indigenen Völker beim Kampf um die Erhaltung des Regenwaldes und ihrer kulturellen Identität im Amazonasgebiet. „Veränderung muss von unten kommen“, sagte der Wissenschaftler und Nobelpreisträger Mohan Monasinghe aus Sri Lanka in München. „An der Spitze gibt es nur wenig politischen Willen für Veränderung.“Kommunen und nichtstaatliche Organisationen müssten die Politik anschieben, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. „Lösungen für die Klimafrage und Aktivitäten der Entwicklungszusammenarbeit müssen Hand in Hand gehen“, forderte der Wissenschaftler. Das Zwei-Grad-Ziel besagt, dass die Erderwärmung auf maximal 2 Grad Celsius begrenzt werden muss, weil ansonsten die Folgen unkalkulierbar werden.

Autorin

Claudia Mende

ist freie Journalistin in München und ständige Korrespondentin von „welt-sichten“. www.claudia-mende.de

Der Erhalt der gefährdeten tropischen Regenwälder ist zentral für den Kampf gegen den Klimawandel. Industrielle Großprojekte und Erdölkonzerne im Amazonas gefährden aber das Ökosystem und die Lebensgrundlagen der indigenen Bevölkerung. Die 35 Klimabündnis-Mitgliedskommunen aus Luxemburg unterstützen die Organisation „Frente de Defensa de la Amazonía“ (FDA) in Ecuador bei der Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit und bei einem aufwändigen Prozess gegen den amerikanischen Erdölkonzern Chevron-Texaco. Die FDA vertritt rund 30.000 Einwohner in Ecuadors Ölregion um die Stadt Lago Agrio, die sich 1994 zusammengeschlossen haben, um Chevron-Texaco wegen der von der rücksichtslosen Ölförderung in den 1970er und 1980er Jahren verursachten Umweltschäden zu verklagen. Im Februar dieses Jahres hat das Oberste Gericht der Provinz nach 17 Jahren den Konzern zu einer Entschädigung von acht Milliarden US-Dollar für die Reinigung der Böden und Flüsse in der Region verurteilt; zudem soll Chevron-Texaco sich öffentlich entschuldigen. Das Unternehmen lehnt das ab und will in Berufung gehen.

Trotzdem ist das Urteil für Dietmar Mierkes vom Klima-Bündnis Luxemburg ein großer Erfolg. „Erstmals wurde juristisch anerkannt, dass Ölförderung massive Schäden verursacht.“ FDA unterstützt auch das Yasuni-ITT-Projekt. Diese Initiative der Regierung Ecuadors sieht vor, dass internationale Geldgeber Ecuador einen Ausgleich zahlen, wenn es auf die Förderung von Erdöl im Yasuni-Nationalpark verzichtet. Deutschland unterstützte die Initiative zunächst, doch 2010 stieg Entwicklungsminister Dirk Niebel aus dem Projekt aus. Niebel trage die „volle Verantwortung“ dafür, dass das Projekt jetzt politisch kaum noch durchsetzbar sei, kritisierte Mierkes.

In Österreich beteiligen sich alle acht Bundesländer und über 900 Gemeinden am Klimabündnis. Seit 1993 unterstützt das Klimabündnis Vorarlberg 240 indigene Gemeinden in der kolumbianischen Region Chocó. Vor allem für Palmölplantagen und Goldminen wurden in Kolumbien große Mengen an Regenwald gerodet. Dabei wurden erhebliche Mengen an CO2 freigesetzt. Nur wer die Bürgerrechte der indigenen Bevölkerung achte, könne langfristig wenigstens einen Teil der Regenwälder erhalten, betonte Heinz Hackl vom Klima-Bündnis Vorarlberg.

Große Probleme mit industriellen Großprojekten und Erdölfirmen haben auch die Ashaninca, eine Gemeinschaft von rund 60.000 Menschen im zentralen Regenwald Perus. „Für uns wird das Leben immer schwieriger“, sagte ihr Vertreter Teddy Sinacay in München. Der Klimawandel mache sich bereits mit Trockenheit, Dürreperioden, Überschwemmungen und höheren Temperaturen bemerkbar. Seit 14 Jahren unterstützt die Stadt München die Ashaninca bei ihrem Kampf um Lebensraum und Bürgerrechte.


Claudia Mende

erschienen in Ausgabe 6 / 2011: Wir konsumieren uns zu Tode

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