Im Brennpunkt

Grundeinkommen auf Bewährung

Auszahlung in Namibia ist für ein weiteres Jahr gesichert
Auszahlung in Namibia ist für ein weiteres Jahr gesichert

Nach Monaten der Unsicherheit gibt es neue Hoffnung für die Dorfbewohner von Otjivero in Namibia: Sie werden für ein weiteres Jahr ein monatliches Grundeinkommen (Basic Income Grant – BIG) in Höhe von 100 namibischen Dollar (ca. sieben Euro) erhalten. Die italienische Waldenserkirche habe das Geld zur Verfügung gestellt, sagt Simone Knapp von der Kirchlichen Arbeitsstelle Südliches Afrika (KASA). Rund 950 Frauen und Männer hätten am 13. Mai ihre erste Zahlung bei der örtlichen Poststelle abgeholt.

Das Pilotprojekt war 2008 gestartet worden und lief insgesamt zwei Jahre. Danach konnte die Unterstützung nur noch sporadisch, gekürzt und zum Schluss gar nicht mehr gezahlt werden. Den Initiatoren der BIG-Koalition, darunter die Evangelisch-Lutherische Kirche von Namibia, war es nicht wie vorgesehen gelungen, die namibische Regierung mit ins Boot zu holen. Finde sich bis 2015 jedoch keine dauerhafte Lösung, solle das Grundeinkommen endgültig zu den Akten gelegt werden, erklärt Simone Knapp.

Die Menschen in Otjivero seien seit Jahren verunsichert, wie es weitergehen soll. „Das muss irgendwann ein Ende haben“, sagt Knapp, „die Dorfbewohner sind ja keine Versuchskaninchen“. Dass die Auszahlung für ein weiteres Jahr gesichert ist, verschafft Zeit. „Ich hatte nicht mehr damit gerechnet, dass das Projekt doch noch weiterläuft“, sagt Knapp. „Das ist eine Chance, die wir nutzen müssen.“

Wird der neue Präsident ein Befürworter des Projektes?

Die Hoffnungen ruhen nun auf den Präsidentschaftswahlen, die im November in Namibia stattfinden. Aussichtsreichster Kandidat ist Premierminister Hage Geingob, der im Gegensatz zum amtierenden Präsidenten Hifikepunye Pohamba der Idee eines Grundeinkommens positiv gegenüber stehe, wie Knapp erläutert. 

Doch die Zeit drängt. Wenn der neue Präsident 2015 vereidigt wird, läuft die Finanzierung des Grundeinkommens schon wieder aus. Die BIG-Koalition will zügig Hintergrundgespräche mit Ministern und Politikern führen, um auszuloten, wie groß die Chancen nach der Wahl sind.

Kritiker bemängeln, dass der langfristige Nutzen des Grundeinkommens während der Laufzeit des Pilotprojektes nicht ausreichend belegt worden ist. Für Simone Knapp steht jedoch außer Frage, dass das BIG-Projekt in Otjivero weitergeführt werden sollte. „Viele Menschen im Dorf haben es mithilfe des Grundeinkommens geschafft, einen festen Job zu bekommen.“

Zudem hätten viele Dorfbewohner etwas Geld zurückgelegt. „Davon profitierten auch Klein-Unternehmer wie Bäcker oder Näherinnen, weil es insgesamt deutlich mehr Geld im Dorf gibt“, sagt Knapp. Einige Eltern konnten ihre Kinder auf weiterführende Schulen und sogar an die Universität schicken. (ok)

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